Düsseldorf: Protest gegen die Sanftmut in der Kunst

Galerie Steinfeld : Protest gegen die Sanftmut in der Kunst

Ältere Künstler mit mehr Mut als die gegenwärtigen und ihre Gedanken zu Sex, Aids und Drogen.

Die MeToo-Debatte, die selbst ernannten Moralapostel, all dies stört die Galeristin Daniela Steinfeld in der Kunst und im Ausstellungswesen der Gegenwart. Deshalb hat sie sich mit dem Viersener Florian Peters-Messer als Mitstreiter und Leihgeber zusammengetan. Sie zeigen ältere Künstler, die einen ganz anderen Mut haben als die der Gegenwart. Gilbert & George, Cindy Sherman und Wolfgang Tillmans sind neben Gregor Schneider dabei.

Judith Bernstein präsentiert den Phallus weniger als Symbol für Sex als für Macht. Ihr Penis, in Fettkreide aufs Papier gebracht, wirkt wie eine Stoßwaffe oder eine Rakete, die sich gegen die Männerpartei der Ba’th-Partei von Saddam Hussein richtete.

Irritierend ist Bjarne Melgaards Skulptur einer Figur, die offensichtlich bei Sexspielchen ermordet wurde. Die Puppe liegt auf einem Pappkarton wie auf einem Sarg. Es war die Zeit von Punk und Drogen, die die Kinder zu Sadisten machte.

Manches erscheint bitterbös in der Ironie, wenn Sophie Calle schreibt, sie könne sich nicht mehr daran erinnern, wie die Männer aussahen, mit denen sie geschlafen hat. Das Foto, das sie dazu präsentiert, zeigt eine Gestalt, die sich weder als Mann noch als Frau genau bestimmen lässt.

Es sind Gestalten aus einer fernen Zeit. Zoe Leonard wird mit einem grobkörnigen Foto präsentiert. Der Mann auf dem Bild war ihr bester Freund, sie waren damals in einer lesbisch-schwulen Untergrund-Szene unterwegs. Er rasiert sich gerade in der Badewanne die Beine, weil er in einer Transvestiten-Show auftritt. Man sieht jedoch auch, dass er die ersten dunklen Flecken des Kaposi-Sarkoms hat. Kurze Zeit später starb er an Aids. Zoe selbst war damals 19 Jahre alt.

Gregor Schneiders „Mann mit Schwanz“ aber liegt rücklings auf dem Boden. Die Hälfte des Körpers ist mit einer Plane bedeckt.

Info Ackerstraße 99, bis 20.4.

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