Düsseldorf: Porträt über zwei Düsseldorfer Künstler in Venedig

Düsseldorfer Künstler : Ein Düsseldorfer Ehepaar bringt seine Kunst nach Venedig

Danica Dakic und Egbert Trogemann gestalten auf der Biennale den Pavillon für Bosnien und Herzegovina.

Künstler aus der ganzen Welt treffen alle zwei Jahre in Venedig zusammen, um innovative Ideen, Konzepte und neu geschaffene Kunstwerke in verschiedenen Länderpavillons vorzustellen. In diesem Jahr ist auch ein Team aus Düsseldorf ganz vorne mit dabei. Während die iranisch-deutsche Künstlerin Natascha Sadr Haghighian aus Berlin den deutschen Pavillon ausrichtet, bestreitet die in Sarajevo geborene Wahl-Düsseldorferin Danica Dakić den Länderpavillon von Bosnien und Herzegovina auf der Kunstbiennale. Gezeigt wird dort die neue Filmtrilogie „Zenica“, bei der sich die in Weimar lehrende Künstlerin auch mit der internationalen Rezeption der Bauhaus-Schule auseinandersetzt. Doch wie kommt so eine Einladung nach Venedig überhaupt zustande? Und wie und mit wem „macht“ man einen Pavillon?

Seit vielen Jahren ist Danica Dakić im internationalen Ausstellungsbetrieb dabei. Ihre oft ortsbezogenen Installationen und Filmbeiträge sind von São Paulo bis Liverpool gefragt. Ob für die documenta in Kassel, für die Kulturhauptstadt Marseille oder für eigene Museumsausstellungen, fast immer arbeitet sie dabei mit einem bewährten Team zusammen. Dazu gehört der in Düsseldorf ansässige Komponist Bojan Vuletić, die Produzentin Amra Baksić Camo und vor allem der Kameramann und Fotograf Egbert Trogemann. Mit ihm ist sie seit 1993 verheiratet.

„Hinter jedem erfolgreichen Mann steht eine starke Frau, die ihn stützt. Und hinter jeder erfolgreichen Frau stehen drei Männer, die sie zurückhalten wollen,“ besagen zwei Sprichwörter. Doch solche Rollenmodelle gehen längst auch anders. Dass ein männlicher Partner zurücktritt, verlangt dennoch eine besondere Stärke und Reife. Danica Dakić war, angelockt von Beuys legendärem Ruf, 1988 als Gaststudentin nach Düsseldorf gekommen, um bei Nam June Paik an der Kunstakademie Düsseldorf zu studieren. Damals malte sie noch. Für ihre Gemälde suchte sie einen Fotografen, der professionelle Repros machen konnte. Da Trogemann die Keilrahmen zu schief fand, baute er ihr diese dann gleich auch mit. Kennengelernt hatten sich beide zuvor auf einer Party einer brasilianischen Freundin. Und es funkte sofort.

Trogemann hatte sich bereits 1986 als Fotograf selbstständig gemacht, nachdem er zunächst verschiedene Studiensemester in Theologie, Psychologie, Sport und Kunst absolviert hatte, dann aber lieber als Assistent eines in Düsseldorf ansässigen Fotografen zu arbeiten begann. Sein allererstes Foto, so erinnert er sich in Venedig, entstand als Erstklässler in Neuss mit einer alten aufklappbaren Agfa-Kamera des Vaters, die er heimlich untersuchte und die dabei zu Bruch ging. Das dabei zufällig entstandene Selbstportrait überführte den zehnjährigen Täter, der vergeblich abzustreiten versuchte, die Kamera je in den Händen gehalten zu haben.

Fotografie war nicht immer so einfach wie im Zeitalter der Handykameras. Und nicht alle Bilder sind so romantisch wie zufällige Verlobungsszenen auf vorbeifahrenden Gondeln während des Aufbaus im Palazzo Francesco Molon Ca‘ Bernardo in Venedig. „Die Fotos von der eigenen Hochzeit im Standesamt Düsseldorf waren 1993 alle unscharf geraten, da der Bruder von Egbert die Tiefenschärfe unbeirrlich auf die Wände fokussiert hatte“, erzählen beide lachend.

Der Palast Ca‘ Bernardo in Venedig wurde als Ausstellungsort über eine italienische Agentur gebucht. Schon seit vielen Jahren können viele der über 90 beteiligten Länder der Biennale nicht mehr auf dem Hauptgelände der Giardini oder dem Arsenale untergebracht werden. Das kostet Geld. Doch machen gerade diese Präsentationen den unvergleichlichen Charme vieler Ausstellungen in der Lagunenstadt aus. Finanziert wird der Pavillon vom Außenministerium von Bosnien und Herzegovina; organisiert wird das Projekt über das Museum für Zeitgenössische Kunst „Ars AEVI Sarajevo“. Drei junge bosnische Kuratorinnen hatten den Vorschlag eingereicht, Danica Dakić einzuladen, die seit einigen Jahren als Professorin in Weimar lehrt und ein neues Projekt über die Stadt „Zenica“ plante. Als Zentrum der Schwerindustrie galt die Stadt lange als Symbol jugoslawischen Fortschritts und der Moderne. Mit ihrer Filmtrilogie portraitiert sie die Stadt, den Verfall des berühmten modernen Theatergebäudes und die ungewöhnliche Geschichte zweier Brüder. Der eine ist Müllsammler im eigenen Auftrag, der andere Dialysepatient und politischer Aktivist für neue Gesetze zu Organspenden. Dabei geht es um Fragen individueller Teilhabe und Zukunftsgestaltung vor der Folie gescheiterter Utopien.

Behutsam, zurückhaltend und intuitiv fokussiert und verfolgt die Kamera die Protagonisten. Es ist eine Zusammenarbeit, die eigene Entwicklungsräume zulässt, die kein ausgefeiltes Drehbuch mehr braucht und dennoch an Reibungspunkten wächst. Während Danica Dakić in Weimar als Professorin lehrt, verfolgt Trogemann zudem eigene fotografische Projekte und persönliche Leidenschaften. Das ist nicht zuletzt die Passion für aktiven Fußball (trotz Kreuzband-, Abduktoren- und Meniskusrissen). Mit 52 Spieltagen pro Jahr, jeweils am Sonntag, 90 Minuten auf den Rheinauen (Höhe Oberlandesgericht), pflegt Trogemann mit einer Gruppe von Kollegen zwischen 30 – 60 Jahren Grasswurzel-Sport vom Feinsten. Dort kann man vorbeischauen und wer es – zum Beispiel aus Klimaschutzgründen - nicht bis Venedig schafft, kann ab November die Film-Trilogie auch im Bauhaus-Museum in Weimar anschauen.

Danica Dakić. Zenica Trilogy, 11.05.2019 – 24.11.2019, Pavillon Bosnien-Herzegowina auf der Biennale in Venedig, Palazzo Francesco Molon, Ca’ Bernardo, Sestriere San Polo, Danica Dakić, Čistac/The Cleander, 22.11.2019 bis 28.06.2020, Bauhaus-Museum Weimar, Stephane-Hessel-Platz 1, Weimar.


Egbert Trogemann „Terra Nova“ (Bilder vom Hambacher Forst), Asphalt Festival, Weltkunstzimmer Düsseldorf, ab 11. Juli 2019

Mehr von Westdeutsche Zeitung