Düsseldorf: Philara zeigt Andreas Schmitten, den Liebling der Szene

Sammlung Philara : Philara zeigt Andreas Schmitten, den Liebling der Szene

Der Bildhauer hat eine sehr konzentrierte Ausstellung mit Zeichnungen und Skulpturen zusammengestellt.

Andreas Schmitten (Jg. 1980) ist in aller Munde. Museen, Galerien und Sammler reißen sich um seine Kunst. Kurz nach der Galerie Schönewald und parallel zum Krefelder Haus Lange präsentiert ihn Philara. Was die Ausstellungsmacher und Sammler fasziniert, ist seine Vielseitigkeit. Er produziert Möbel, Zeichnungen, Skulpturen und ganze Inneneinrichtungen wie seinerzeit für das Schmela-Haus von K20. Da er zugleich ein kluger Kopf ist, mit dem Magister in Kontinentalphilosophie und analytischer Philosophie, bekommt er all seine Fähigkeiten spielend unter einen Hut.

Profane Objekte als graue Inszenierungen unter Glas

Den direkten Umgang mit den Materialien kennt er seit seiner Jugendzeit, als er in einer Spielzeugfirma jobbte. Modellbau war stets seine Stärke. Als Stipendiat der Deutschen Studienstiftung rundete er seine Erfahrungen mit Computer-Software, Animationsfilmen und visuellen Effekten in Los Angeles ab. Der Meisterschüler von Georg Herold nahm prompt an die Skulpturen-Schau der Professoren in K 20 teil. Derzeit präsentiert er eine kleine, feine Schau bei Bronner.

Er zeigt fiktive Möbel, die wie Kühlschrank oder Herd aussehen, wären sie nicht grau und völlig abstrahiert. Es sind Hybride, die er unter Glashauben stecken. Es scheint, als habe er diesen gläsernen Vitrinen mit ihrem tristen Inhalt das letzte bisschen Sauerstoff entzogen. So haben seine Konstruktionen nichts mit dem Raum zu tun, der normalerweise so wichtig bei dreidimensionalen Objekten ist, indem man die Kunst von allen Seiten bestaunen kann. Bei Schmitten ist nichts zu bestaunen. Nichts ist lieblich, alles wirkt steril. Diese Prototypen möchte man kaum in seinen vier Wänden haben, so unheimlich wirken sie. Die starren Glaskästen, die auch im Bistro der Sammlung Philara als Wandteiler dienen, sind versiegelt und lassen sich höchstens mit Displays oder einem Setting in einem Film vergleichen.

Sadistische Spiele in den großformatigen Zeichnungen

Ein latenter Zynismus wohnt vor allem seinen Zeichnungen inne, die vor Bronner schon bei Schönewald zu sehen waren: Gleichsam Betriebsanleitungen für sadistische Spiele sind es. Einer Frau wird eine elektrische Stichsäge ans Genick gehalten. In der nächsten Zeichnungen auf demselben Blatt ist ein Föhn gänzlich in den Hinterkopf eingeführt, so dass er aus dem Mund wieder hervortritt. Immer geht es um Löcher, die mit einem Haushaltsgerät ins Gehirn, in die Auge oder in den Hals gebohrt oder geschoben werden, auf dass aus dem Loch Computer, Ballons oder Handys baumeln. Böse, absurd, gewaltbereit sind diese mit Pigmentstift klar und sachlich aufs Papier gebrachten Strichzeichnungen. Die brutale Handlung wird von der Schlichtheit der Darstellung überspielt.

In den oberen Räumen und auf dem Dach stehen seine hochglänzenden Skulpturen, die an profane Objekte wie Waschschüsseln erinnern. Eine trägt sogar den Titel „Mutter“. Eine andere ist nichts als ein kunstvoller Spritzer, der sich aufschwingt, als wolle er gleich über den Dächern mit einem Tanz beginnen. Die Objekte sind überlebensgroß, aus Kunststoff, Lack, Plexiglas und Holz.

Info: bis 16.Juni, Birkenstraße 47a, Freitag 16 bis 20 Uhr, Samstag und Sonntag 14 bis 18 Uhr. Führungen gibt es am Wochenende jeweils um 15 Uhr.

www.philara.de

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