Düsseldorf: Mit der Kamera im Kaiserteich

Kunst : Mit der Kamera im Kaiserteich

60 Absolventen der Kunstakademie treffen sich zur großen Schau in K21. Es gibt einiges zu entdecken.

60 junge Künstler mit unterschiedlichen Stilen und Materialien unter einen Hut zu bringen, ist keine leichte Aufgabe. Insofern ist es verständlich, dass Museums-Chefin Susanne Gaensheimer das Ergebnis in K21 als eine „wirklich tolle Ausstellung“ lobt. Zu sehen sind hundert Arbeiten von 60 Absolventen aus 20 Klassen der Kunstakademie. Ein Potpourri also, das von den Volontärinnen Agnieszka Skolimowska und Linda Walther perfekt zusammengestellt wurde, so dass die Schwächen kaum ins Gewicht fallen. Alle Maler, Bildhauer und Videokünstler haben im letzten Jahr Abschluss gemacht. Eine Auswahl war nicht erwünscht. Kunstakademie und Kunstsammlung hatten vertraglich vereinbart, nur die Totale zu zeigen. Rektor Karl-Heinz Petzinka ist nämlich von der führenden Rolle seines Hauses fest überzeugt. Die Schau im neuen Milieu sei für ihn ein „enormer Quantensprung“, wie er zur Begrüßung erklärte.

Wenig Tadel und viel Lob für die Werke in der Ausstellung

Für ihr Werk „KAL-EL“ erhält Dorothee Clara Brings im K21 das Provinzial-Kunst-Stipendium über 12.000 Euro. Foto: Marcel Kusch/dpa.

Warum aber eine kitschige Madonna mit Kussmund (Meral Alma)? Wieso Braves wie Pia Krajewskis Mohnkapsel samt Schatten vor blauem Vorhang? Oder eine Wohnlandschaften für die Gemütlichkeit von Jieun Lim? Man stößt auf Skulpturen, die von Stars abgeschaut zu sein scheinen oder deren Absauggerät von einer Reinigungsfirma entliehen sein könnten. Doch es gibt auch Werke, die pfiffig sind, neue Räume erkunden, die Geschichte des Ortes reflektieren oder die klassische Fotografie mit einem neuen Zauber versehen.

So erstaunen die fotografischen Ergebnisse von Sulamit Loomans. Die als Bildhauerin ausgebildete Künstlerin hat sich Augenlider und Lippen geschminkt, für einen dekorativen Kragen gesorgt, und dann auf den Auslöser ihres Handys gedrückt, um das Ergebnis groß auszudrucken. Die Pixel, die bei geringer Auflösung entstehen, sorgen für eine körnige Qualität und geben dem Antlitz eine leichte Entrücktheit.

Lotte Maiwald greift die bekannte Methode auf, die Leinwand in den Raum hinein zu verlängern. Was sie zeigt, ist eine Art Guckloch wie beim Blick aus dem Ausstellungsraum auf den Kaiserteich. Aus diesem Loch oder Becken in ihrem Bild steigen  Flammen wie beim olympischen Feuer empor, mitsamt einer teuflischen Rakete.

Auch Aurel Dahlgrün und Tomas Kleiner widmen sich dem Kaiserteich. Sie beschäftigen sich mit der Schnittstelle zwischen Museum und Öffentlichkeit, Raum und Teich. Unter einer falschen Insel im Wasser verstecken sie eine Unterwasserkamera, genauer: eine Endoskop-Kamera. Sie sendet nicht nur Wasserbilder unter die Decke der Ausstellung, sondern sie lockt auch mithilfe einer kleinen Lampe in den Abendstunden Mikro-Organismen an, die dann reflektiert werden. Tauchanzüge und Sauerstoffflaschen machen deutlich, dass die jungen Leute es ernst mit ihrer Live-Performance meinen.

Dorothee Clara Brings fiel schon bei Rundgängen durch ihre Auseinandersetzung mit den hohen, hellen Fenstern auf. Diesmal beschäftigt sie sich mit der Historie des K 21, einst Parlamentsgebäude des Provinziallandtags, das vom späteren Dombaumeister Julius C. Raschdorff errichtet wurde. An diese Zeit des Historismus erinnern die Kirchenscheiben, die sie in einer alten Scheune fand. Sie türmt sie hoch auf, in hölzernen Rahmen, die mit dem Holz des Bodens übereinstimmen, als gehe es um einen Auftrieb gen Himmel. Dafür erhielt die 23-Jährige aus der Klasse Odenbach das mit 12.000 Euro dotierte Provinzial-Kunst-Stipendium.

Immer einen Besuch wert sind die Kabinen von Ryo Kinoshita, die kapitalen Holzdrucke von Inessa Emmer  und die Dekore der Dora Celentano.

Info: Die Ausstellung nennt sich  „Planet 58“, als gehe es um das Unerforschte. Bis 31.März, wochentags 10 bis 18 Uhr

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