Schumann-Quartett Hohe Kammermusik-Kultur: Das war Klassik vom Feinsten

Düsseldorf · Das Schumann-Quartett trat im Schumann-Saal auf und begeisterte das Publikum – auch mit Musik aus dem Nachkriegsjahr 1919.

 Das Schumann-Quartett (hier eine Archivaufnahme) spielte im Robert-Schumann-Saal.

Das Schumann-Quartett (hier eine Archivaufnahme) spielte im Robert-Schumann-Saal.

Foto: Kaupo Kikkas

Mark, Erik und Ken sind Brüder, seit frühester Kindheit spielten sie viel und gerne miteinander und tun das bis heute. Das allein ist noch nicht besonders spektakulär. Die Rede ist von den drei Brüdern, die den berühmten Namen Schumann tragen, ohne verwandt mit Robert und Clara Schumann zu sein, und schon als Kinder täglich gemeinsam Musik machten. Erik und Ken spielten Violine, Mark Violoncello. Seit zwei Jahren schweben sie als Musiker gemeinsam auf einer Welle des Erfolgs und der Anerkennung weltweit, bilden zusammen mit der in Tallin (Estland) geborenen Bratschistin Liisa Randalu das „Schumann-Quartett“. Am zweiten Weihnachtstag gaben sie im Robert-Schumann-Saal, inzwischen zum elften Mal, ihr traditionelles Weihnachtskonzert.

Diese vier Musiker gehen demnächst in den USA auf Tournee, treten im Rahmen ihrer „Residence of Chamber Music Society des Lincoln Centers“ in New York auf, ihre jüngste CD-Einspielung „Intermezzo 2018“ erhielt den Opus Klassik in der Katergorie Quintett 2019.

Die Musik, die diese vier Musiker im Schumann- Saal darboten, war nicht nur speziell, sie war einzigartig :  Haydn´s „Jagdquartett B-Dur op.1,1, Smetanas Streichquartett Nr.1 e-moll „Aus meinem Leben“ und Robert Fuchs´ „Klarinettenquintett op.102, Es-Dur“ mit dem Klarinettisten Pablo Barragán als Gast. Wann hat man von so jungen Musikern ein so ausgereiftes, facetten- und nuancenreiches, sensibles Quartett-Spiel gehört! Sie spielten technisch versiert, gestalteten ihre Musik aus dem Augenblick heraus, reagierten mit Wachheit und Spontaneität auf das, was sich klanglich live entwickelte. Nur so ist zu begreifen, warum ein Decrescendo in Spannung und ohne Zeitmaß ausklingen konnte wie in Smetanas „Largo sostenuto“. Meisterlich !

Jeder Ton war ein Ereignis. In Haydn´s Menuett mischten sich zarte Pizzikati mit einem sanften Celloton, manchmal hatte man das Gefühl, es handele sich um ein Violinkonzert, so spannungsreich und ispiriert klang die erste Violine. Es war Klassik vom Feinsten, eine hohe Kammermusikkultur, lebhaftes Dialog-Musizieren. Das Schumann-Quartett wurde künstlerisch geprägt durch die besten Lehrer, neben Eberhard Feltz waren es das Alban Berg Quartett und der Meister der Kammermusik Menahem Pressler. Jedes Instrument wirkt autonom, und doch besticht gerade das Kollektiv, eine flüchtig erscheinende Geste wird gemeistert mit klassischer Präzision. In Roberts Fuchs Quintett fügt sich Pablo Barragán (Spanien) mit einem feinen, geschmeidigen Klarinettenton wunderbar in den Gesamtklang ein. Ansatzlos spielt er zarte Melismen, die mit den Streichern in Dialog treten. Kammermusikalische Unterhaltung auf hohem Niveau und ein hochkultivierter Wohlklang erstaunen den Zuhörer um so mehr, als das Werk erst 1919, also ein Jahr nach Beendigung des ersten Weltkrieges entstanden ist. 

So hat sich Fuchs den spätromantischen Gestus eines Brahms, Bruchs oder Regers bewahrt und ist am desaströsen  Zeitgeist nicht zerbrochen. Seine Musik ist eine Entdeckung.

Als Zugabe gab es einen folkloristischen Tanz von Manuel de Falla. Das Publikum im vollbesetzten Saal war begeistert.

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