Düsseldorf: Junge Künstler zeigen zum Abschied ihre besten Arbeiten

Sommerrundgang : Junge Elite beim Sommerrundgang

51 Absolventen zeigen ihr Bestes zum Abschied von der Kunstakademie. Sogar die Rheintöchter lassen grüßen.

Ab heute steht die Kunstakademie allen Neugierigen offen. Dennoch ist es nicht so wie in der Vergangenheit. Kein Chaos in den Klassen, keine Kunst zwischen Decke und Boden. Stattdessen Handverlesenes. Erstmals dürfen ausschließlich Absolventen daran teilnehmen, die also in den kommenden Wochen und Monaten die Hochschule verlassen werden.

Naturgemäß überwiegt die Malerei. Neben der Naturgewalt in den Bildern von Laura Aberham (Klasse Gallagher) herrscht die unnachahmliche Leichtigkeit in den Anzinger-Klassen. Robin Weuste präsentiert paradiesische Szenen mit Mensch und Tier zwischen blauem Himmel und sonniger Erde. Bei Samira Witt reiht sich ein phantastisches Bild ans andere, vom Säbel schwingenden Derwisch, der vom Wolf geärgert wird, bis zum Pferd, das von einer Wildkatze in den Hintern gebissen wird. Lisa-Maria Feike malt nicht nur die Loreley und die Rheintöchter, sondern übersetzt ihre Malerei auch in Erzählungen und Illustrationen. Louisa Brüseke, eine der wenigen Studentinnen ohne Klasse, umgibt ihre Bilder mit Rahmen aus Ton, und ritzt ihre Geschichten in das zunächst noch weiche Material.

 Joscha Bender zeigt eine Szene mit Mutter und Kind. Sie arbeitet sich am Teig ab, und der Filius steht lässig daneben. Foto: Helga Meister

Die Ausstattung aus der Oper „Akademia“ als Abschiedsraum

Eher störrisch wirkt die Malerei von Oliver Meier (Klasse Schulze). Die Schönheit müsse sich gegen die destruktiven Elemente behaupten, sagt er. Sehr malerisch geht es in der Brandl-Klasse zu, wo die Studenten traurig über den Abgang ihres geliebten Professors sind. Die Chinesin Yi Wu macht den Spagat zwischen realen und phantastischen Landschaften. Sie benutzt dazu die Fotos ihrer Mutter, die in den letzten zehn Jahren durch Ostasien gereist ist.

Aylin Leclaire (Klasse Gostner), die in ihrer Oper „Akademia“ hundert Studenten unter einen Hut gebracht hat, zeigt das Equipment als Kollektivarbeit. Die Lara aus dem Stück ist nun keine schicke Anfängerin mehr, die sich auf ihrem Thron im siebenten Himmel wähnt, sondern sie ist im Sessel abgerutscht. Schaufensterpuppen sind in der Badewanne gelandet. Es gibt sogar ein Porträt vom Kanzler, als gehe es ums klassische Konterfei. Der Raum ist ein Treffpunkt für alle. Wer von den Kommilitonen will, kann weiterarbeiten.

Bei Gostner überrascht auch Teye Gerbracht, der eine Fotografenlehre hinter sich hat, an der Malerei gescheitert war, und nun als gestandener Fotokünstler die Akademie verlässt. Für seine Serie „Gespenster“ hat er sich in der frühmittelalterlichen Begräbnisstätte von Palermo, in einer verlassenen Fabrikantenvilla im Elsass und in einem abbruchreifen Verwaltungsgebäude im Düsseldorfer Hafen umgeschaut. Diese Szenen erfüllt er in seinen Bildern mit neuem Leben, indem er sich selbst als Aktmodell präsentiert. Der Dialog zwischen dem verletzlichen Körper und dem Milieu aus Tod und Verlassenheit führt zu merkwürdigen Kontrasten. Dem hält Moritz Krauth (Klasse Williams) beredte Porträts vom eigenen Bruder entgegen, im Foto und im Video.

Schon seit Jahren fällt Joscha Bender (Grünfeld-Klasse) auf. Er hat ein Alleinstellungsmerkmal als figurativer Bildhauer. Seine Kompositionen von Frau und Kind spielen nicht nur die Kunstgeschichte durch, sondern beweisen auch sein handwerkliches Können in Gips, Marmor und Muschelkalk. Es sind lustige Szenen, wenn sich die Mutter mit dem Kuchenteig abarbeitet, während der Junge mit der Nudelrolle in der Hand lässig daneben steht und zuschaut.

Eher rätselhaft, irritierend und doppeldeutig geht es in der Schneider-Klasse zu. Yiy Zhang lässt die Besucher durch den Keller in ihren Raum emporsteigen. Dort zieht sie die Decke so tief herab, dass sich der Kunstgänger zunächst vor den Kopf gestoßen fühlt. Er möchte durch die Barriere hindurchkriechen, um die Szene zu überblicken, darf dies aber aus Sicherheitsgründen nicht. Und Thimo Franke baut gar zwei türlose, geschlossene Gartenhäuser mit viel Glas. Nichts dringt nach draußen. „Man ist hier nicht heimisch. Die Proportionen der Häuser sind gestaucht. Man ist auch in der Akademie nur zu Gast. Am Ende des Studiums merkt man das besonders. Man muss die Akademie hinter sich lassen, wenn man das Gefühl hat, mehr zu geben als zu nehmen“, sagt er. Ein nachdenklich stimmender Abgesang ist dies.

Info: Eiskellerstraße 1, Bis Sonntag täglich von 10 bis 20 Uhr. Der Eintritt ist frei.

Mehr von Westdeutsche Zeitung