Düsseldorf: Jan Josef Liefers in der Tonhalle

Tonhalle : Jan Josef Liefers und die zwei Seiten

Der Schauspieler, der auch als Sänger seine Fans begeistert, gastierte mit seiner Band Radio Doria in der Tonhalle. Sein Charisma überstrahlte indes die Musik.

Zwei Seiten. So vieles hat zwei Seiten; man hat sie in sich, Ereignisse und Dinge kann man stets aus wechselnder Perspektive betrachten. Vieles hat sein Gutes, manchmal auch seine negative Seite. Es ist eben eine Frage des Standpunktes. Ja, zwei Seiten prägen auch den Schauspieler und Sänger Jan Josef Liefers. Geliebt als Karl-Friedrich Boerne im Münsteraner Tatort im Duo mit Axel Prahl.

Bekannt aus zahlreichen Filmen, ist er einerseits ein populärer Schauspieler. Andererseits ist der gebürtige Dresdner Sänger seiner Band Radio Doria — aus namensrechtlichen Gründen musste sich die Band 2014, die vorher „Oblivion“ hieß, umbenennen. Aufhorchen ließ Liefers in dieser Rolle, nicht zuletzt mit „Soundtrack meiner Kindheit“, die speziell Lieder ostdeutscher Bands wieder in den Blickpunkt rückte.

Nun ist er mit seiner Gruppe erneut auf Tour und besuchte auch Düsseldorf. Und bei seinem Konzert in der überaus gut gefüllten Tonhalle ging es auch um zwei Seiten. So heißt nämlich sein neues Album — vom September 2017 —, welches das Rückgrat des Konzertes bildete. „2 Seiten“ ist das zweite Album von Radio Doria. Wie Liefers selbst betont, sei das zweite Album immer das schwierigste. Orientiert man sich neu, bleibt man sich treu, frischt man auf oder lässt Sound und Text sich homogen fortentwickeln?

Liefers ist mit seiner unprätentiösen, natürlichen und durchaus einschmeichelnden Stimme ein guter Sänger, zweifelsfrei. Nicht wirklich überragend, aber sehr sympathisch. Und hier haben wir sie wieder, die zwei Seiten.

Denn die wahrhaft hervorragenden Qualitäten, das Mitreißende ist bei seinen Auftritten seine Fähigkeit, jederzeit direkten Kontakt zu seinem Publikum aufzunehmen. Sein Spiel. Immer sucht er Blickkontakt. Mit tiefsinnigem Blick schweift sein Auge ohne Unterlass durch die Reihen, zieht hinan. Bühnenpräsenz pur, die sich auch in seinen spontan wirkenden, aber bestens einstudierten Geschichten, ausdrückt. Er erzählt von seinen Großmüttern, von unbeschreiblichen Freuden, wie etwa die Geburt eines Kindes miterleben zu können.

Doch auch politisch und nachdenklich wird es immer wieder. Wie privilegiert wir hier in Deutschland doch sind, erzählt er. Hinter ihm eine gut bespielte Video-Wand, die den Songs eine philosophische Tiefe zu verleihen versucht. Doch die Musik ist durch und durch leicht hörbarer, gut gemischter Mainstream. Deutscher Pop, wie wir ihn seit Jahren kennen. Mit diesem oder jenem Einfluss, garniert mit bisweilen recht gut geflochtenen Texten, doch größtenteils eher etwas beliebig.

Indes inhaltlich mit einer schönen Dosis Nostalgie, die sich aber nur selten wirklich in der Musik widerspiegelt.

Mehr von Westdeutsche Zeitung