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Düsseldorf-Festival endet akrobatisch

Düsseldorf-Festival endet akrobatisch

Im Theaterzelt am Burgplatz verschmolzen Zirkus und Kammermusik.

Düsseldorf. Zirkus zwischen Akrobatik, Ausdruckstanz und hochemotionaler Kammermusik feierte mit großem Publikumserfolg Deutschlandpremiere beim Düsseldorf-Festival im Theater-Zelt am Burgplatz. Bravos und stehende Ovationen wurden der australischen Truppe „Opus-Circa“ und dem Streichquartett „Quatuor Debussy“ zuteil für eine geradezu atemberaubende Performance.

Choreograf Yaron Lifschitz entwickelte sein Stück aus den Streichquartetten des russischen Komponisten Dmitri Schostakowitsch (1906-1975) heraus. Der unter der Stalin-Diktatur leidende Musiker hat mit den Quartetten Gefühle von Schmerz, Verzweiflung, Hoffnung und temporärem Glück zum Ausdruck gebracht. Und hierauf zielt auch die Inszenierung ab, die Getriebenheit und seelische Spannungen in artistischen Tanz übersetzt.

Was besonders stark beeindruckt, ist das enorme Können aller Beteiligten. Da musiziert zunächst einmal das Quartett in den ungewöhnlichsten Sitz- und Steh-Positionen, lange Zeit sogar mit verbundenen Augen und findet wie mit schlafwandlerischer Sicherheit zum homogenen musikalischen Miteinander. Da das Zelt akustisch problematisch ist, werden die vier Streichinstrumente durch ein Mikrophon verstärkt. Unterdessen liefern die Akrobaten Artisten-Nummern ab, die einander mit immer noch unglaublicheren Bewegungsabläufen in Erstaunen versetzen.

Die athletischen jungen Damen und Herren klettern über- und untereinander her in irrwitziger Geschwindigkeit, türmen sich auf zu Menschen-Säulen und -Pyramiden. Der Umgang der tanzenden und springenden Figuren untereinander wirkt so aggressiv wie eben die schnellen Passagen der Schostakowitsch-Quartette klingen. Über einen langen Zeitraum bestimmen ruhige Bewegungen die Szene, passend zur nachdenklichen Melancholie der Musik. Nur in den seltenen Momenten, wo in den Streicherklängen gleichsam Licht durch die Wolken bricht, herrscht auch unter den Akrobaten Frieden und Harmonie.

Zwingend ist diese synästhetische Kopplung von Musik und Akrobatik zwar nicht immer, und das Ganze mag hier nicht unbedingt mehr sein als die Summe seiner Teile, doch beeindrucken die Einzelleistungen so stark, dass des Staunens kein Ende ist.