Düsseldorf: Eine vierköpfige Familie, aber es gibt nur ein Lächeln

Polnisches Institut : Eine vierköpfige Familie, aber nur ein Lächeln

Im Polnischen Institut wird die Warschauer Künstlerin Weronika Gesicka mit raffinierten Fotos präsentiert.

Schon das Plakat am Eingang ins Polnische Institut irritiert. Es zeigt ein Familienfoto der 1950er Jahren. Mama hat onduliertes Haar, Papa einen gestreiften Anzug. Auch die Kleidung der Kinder ist von anno dazumal, obwohl die Puffärmel und Rüschen am Kleid des Töchterchen heute in Nobel-Boutiquen wiederkehren. Der breite Kragen des Jungen entspricht allerdings nicht der neuesten Mode. Aber die Kleiderfrage interessiert weniger angesichts des erstarrten, maskenhaften Lächelns der Viererbande. Was ist da bloß los? Wie schrecklich wirken die knallroten Schminklippen bei den Kindern. Erst der Gang in die Ausstellung macht deutlich, worum des der Warschauer Künstlerin Weronika Gesicka geht.

Sie benutzt eine der vielen Fotobanken im Internet, wo sich das Material kaufen lässt. Sie wählte amerikanische Aufnahmen der 1950er und 1960er Jahre aus, die noch bestellt waren, weil das Handy noch nicht auf dem Markt war. Profis pflegten die Gruppenfotos nach Schema F zu arrangieren. Da saß eben der Herr des Hauses in der Mitte, links und rechts umgeben von seinen Kindern, und die Mutter thronte auf der Armlehne im Hintergrund.

Soweit entsprechen die gefundenen Aufnahmen dem Klischee. Weronika Gesicka verfremdet das Gefundene jedoch mit wechselnden Tricks. Für das Familienfoto stülpte sie dem Mädchen das Gesicht der Mutter als Maske über das Gesicht. Auch die übrigen Gesichter sind Mixturen von Wesenszügen der Familienmitglieder. Dadurch wird das Familienbild zum Klischeebild.

Ursprünglich trägt ein Mädchen eine Puppe, und nun taucht das Puppengesicht bei der Mutter auf. Das Glas mit Milch hielt eine Frau in der Küche in der Hand. Nun kippt die Milch aus dem Glas auf den Kopf der Frau. Aus den Gegenständen, die real fotografiert sind, wurden einige Teile neu geordnet, wiederholt oder an andere Stelle versetzt.

Wie aus einem Zwillingspaar ein unheimliches Wesen wird

„In meiner Kindheit war die amerikanische Kultur im Alltag ebenso präsent wie die polnische. Damals liefen im Fernsehen viele amerikanische Serien. Im Kino dominierte Hollywood. Und zahlreiche Zeitungen und Magazine ahmten amerikanische Titel nach.“ So erinnert sich die 1984 in Polen geborene Künstlerin an die Zeit nach dem Fall des Eisernen Vorhangs. Mit dem Studium der Grafik und Fotografie an der Akademie der Schönen Künste in Warschau kam zur Faszination über die Bilder aus dem Westen der Wunsch zur Umformung hinzu.

Das Spiel mit der Realität, der Übergang vom Abbild zur eigenen Kunst lässt sich im Zwillingsporträt  gut verfolgen. Sie wählte zwei Mädchen in bauschigen Blusen mit weißem Bubikragen und weißer Blume am Hals. Die Kinder blickten sich ursprünglich an. Ihre Kopfdrehung war wichtig, denn Weronika Gesicka brauchte die dunklen, leicht gelockten Haare im Profil, denn damit verfremdete sie ihr doppeltes Lottchen, das sie verdoppelte und verdreifachte. Nun sieht es so aus, als habe man den Kindern über die Gesichter eine Perücke gestülpt, so dass sie wie Winde verweht aussehen.

Die Ausstellung enthält auch Szenen aus der Serie „Sammlung“, wobei sie alltägliche Gegenstände verändert. Einen alten Fleischwolf verfremdet sie zur Skulptur, während sie eine Nudelrolle zur fiktiven Schlange macht.

Info: Polnisches Institut, Citalellstraße 7. Öffnung bis 22. März, Dienstag + Mittwoch 16 bis 19, Donnerstag + Freitag 11-16 Uhr.

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