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Düsseldorf: Chopin wäre mit der Interpretation unzufrieden gewesen

Tonhalle : Chopin wäre mit Interpretation nicht zufrieden gewesen

„Winter auf Mallorca“: Vladimir Mogilevsky stand mit Tempi und Takten auf dem Kriegsfuß, Stefania Adomeit überzeugte.

1838 war Mallorca noch weit entfernt von der Tourismushochburg, wie man sie heute kennt. Ein Reiseziel war die Baleareninsel aber schon damals. Die französische Schriftstellerin George Sand verbrachte dort den Winter mit ihren Kindern und ihrem Geliebten, Frédéric Chopin. Der komponierte im Kloster Valdemossa unter anderem seine berühmt gewordenen Préludes und Nocturns. Sie beschrieb die Monate in Spanien mit ihm in ihrem Buch „Ein Winter auf Mallorca“ und ihren Memoiren. Ihre Erinnerungen und seine Musik verbanden Stefania Adomeit und Vladimir Mogilevsky zu einem Bühnenprogramm, das sie am Dienstagabend in der Tonhalle vorstellten.

Eine schöne Idee, zumal Aufnahmen von der Urlaubsinsel und des berühmten Paares auf eine Leinwand projiziert wurden. George Sands Aufzeichnungen der Zeit mit dem Pianisten wurden vor einigen Jahren neu übersetzt und wirkten, vorgetragen von Stefania Adomeit, in der Sprache zeitlos. Man sah sie förmlich vor sich, wie sie die Zeilen rückblickend niederschrieb und sich über Chopin ärgerte, der geschwächt durch eine Lungenentzündung und später „die Schwindsucht“ (TBC), unausstehlich gewesen sein muss. Gleichzeitig aber Musik komponierte, die mit zum Schönsten gehört, was er hinterlassen hat. Passend zu den vorgetragenen Passagen griff Pianist Vladimir Mogilevsky in die Tasten seines Flügels.

Leider gelang es ihm nur in wenigen Momenten, wirklich Gefühl in sein Spiel zu bringen. Was deshalb schade ist, da das Publikum durch Sands Beschreibungen einen Eindruck von der Stimmung des Pianisten bekam, als er diese Musik schrieb.

Mogilevskys Stärke lag eindeutig eher in den ruhigeren Stücken, die zumindest einen Hauch von Melancholie und Romantik erahnen ließen. Mit Tempi und Takten stand er irgendwie auf Kriegsfuß an diesem Abend. Mal spielte er zu schnell, dann wieder verpasste er ein paar Takte oder griff daneben. Was ihn nur noch mehr das Tempo anziehen oder lauter werden ließ. Während er spielte, war der Schöpfer der Musik auf der Leinwand zu sehen. Man wurde das Gefühl nicht los, dass Chopin ob dieser Interpretation seines Werks wohl nicht so angetan gewesen wäre. Parallel zum Textteil waren Aufnahmen des Klosters Valdemossa, der Klippen von Formentor oder der Kathedrale von Palma zu sehen. Zum Ende hin zeigte ein Porträt George Sands mit Zylinder ihre enorme Ausstrahlung, die sie auf ihr Umfeld gehabt haben muss. Stefania Adomeit verneigte sich vor der Schriftstellerin, als sie sich zur Zugabe in Frack und Rüschenhemd mit Zylinder vor George Sands verabschiedete.

Chopin hasste die Insel, Sands liebte sie und wäre gerne für einige Jahre dort geblieben. Stürmisches Wetter zwang das Paar, seinen Aufenthalt um drei Wochen zu verlängern.

Fünf Jahre nach Chopins Tod beschrieb Sand anschaulich, wie es wirklich mit ihm in diesem Winter 1838 auf Mallorca war und ein wenig davon konnte das Publikum an diesem Abend auch musikalisch nachvollziehen.