Forum Freies Theater Verena Billinger teilt sich mit

Düsseldorf · Verena Billinger und Sebastian Schulz tanzen und philosophieren im FFT darüber, was Menschen trennt.

 Die Südkoreanerin Jungyun Bae (­vorne) in „Geteilter Abend“. Die Performance ist am Freitag zu sehen.

Die Südkoreanerin Jungyun Bae (­vorne) in „Geteilter Abend“. Die Performance ist am Freitag zu sehen.

Foto: Florian Krauß

(cc) Die Performerin und Tänzerin Verena Billinger ist zusammen mit ihrem Partner Sebastian Schulz regelmäßiger Gast im Düsseldorfer Forum Freies Theater (FFT). An diesem Freitag werden die beiden ihre neue Performance „Geteilter Abend“ vorstellen.

Der Titel lässt aufhorchen. Da ist zum einen der inzwischen fest eta­blierte Gebrauch des englischen Verbs „to share“ in umgangssprachlicher Übersetzung. Zumindest teilweise bestätigt Sebastian Schulz diese Deutung: „Verena teilt an diesem Abend viel von sich mit.“ Im Wesentlichen aber geht es um den unterschiedlichen Aufbau dieser Performance. Sie beginnt mit einem langen Solo von Verena ­­Billinger, die nach langer Zeit wieder selbst als Tänzerin auf der Bühne ­erscheint. Später übernehmen dann die Südkoreanerin Jungyun Bae, die Italienerin Camilla Fiumara und der Lette Edvards Kurmins das szenische Geschehen. In dessen Mittelpunkt sollen grundsätzliche Fragen stehen: Was heißt es, ein ­einzelner Mensch in einem komplexen Gefüge von Beziehungen zu sein? Was haben wir gemeinsam? Und was können und wollen wir mitteilen? Wo aber versagt die Sprache? Ihre lange Abwesenheit von der Bühne erklärt Billinger so: „Wie sind ja im Hauptberuf Choreografen und wollten meist von außen schauen, was da passiert. Im Übrigen brauchten wir schon immer eine Begründung dafür, warum wir auf der Bühne waren.“ Die Performerin mag es eigentlich nicht, wenn Einzelne sich in den Mittelpunkt stellen. Höchstens einen Körperteil wie 2023 bei „Hip Piece“, als Billinger und Schulz sich auf die Hüfte konzentrierten. Dem Vernehmen nach wird Verena Billinger auch dieses Mal über ihre Hüftprobleme sprechen, die sie als Baby in ein Korsett zwangen. Überhaupt wird sie persönliche Einblicke in ihr Leben geben, ihre Beziehung zum Tanz und zur Choreografie. Für Schulz ist die Sache klar: „Verena wollte einfach wieder auf der Bühne sein.“

Und wo bleibt er selbst an diesem Abend? Verena Billinger, gerade mit den letzten Proben im Pumpenhaus Münster beschäftigt, gibt gern die Antwort: „Sebastian ist auch wesentlicher Teil meiner Autobiografie. Also musste er irgendwie auf der Bühne erscheinen.“ In der Besetzungsliste hat man seinen knappen, eher selbstherrlichen Auftritt einfach „Gast“ genannt. Im Jahrbuch Tanz von 2015 heißt es über das in Düsseldorf ansässige Paar, das seit Längerem durch die Spitzenförderung des Landes NRW unterstützt wird: „Erst küssten sie, dann schlugen sie – und beides taten sie ganz ohne Gefühl. Zärtlichkeit ohne Liebe, Gewalt ohne Hass. Billinger und Schulz darf man getrost als Experten für motivations- und moralfreie Körperaktionen betrachten.“

Termine 19. Januar, 20 Uhr; 21. Januar, 18 Uhr, im FFT, Konrad-Adenauer-Platz 1.

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