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Düsseldorf: Ausstellung Liebe oder Last. Baustelle Denkmalschutz

Ausstellung in Düsseldorf : Der Mensch als Feind des Bauwerks

Mit der Schau „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ will die Deutsche Stiftung Denkmalschutz die Besucher anregen, sich ein Urteil zu bilden.

Der Besucher hat gerade das Eingangstor der Wanderausstellung „Liebe oder Last?! Baustelle Denkmal“ passiert, da muss er sich schon entscheiden: Ist der Erhalt alter Gebäude „Liebe“ oder „Last“? Über Lautsprecher werden ihm Wortfetzen entgegengeworfen, die beiden Seiten eine Stimme geben. Rechts ein Mann: „Das braucht doch kein Mensch!“, eine Frauenstimme hält links dagegen: „Es ist ein Juwel!“ Schnell wird klar, wie emotional aufgeladen Diskussionen über Denkmalschutz sein können.

Auf welcher Seite der Besucher steht, ist Eva Masthoff, zumindest auf den ersten Metern der Ausstellung, egal. Wichtig sei, sich des Themas bewusst zu werden. „Vielen Menschen setzten sich kaum mit dem Denkmalschutz auseinander. Gebäude werden als gegeben und fester Teil des Stadtbildes wahrgenommen. Ihre Existenz scheint selbstverständlich zu sein“, sagt die Leiterin der Abteilung Öffentlichkeitsarbeit bei der Deutschen Stiftung Denkmalschutz.

Über Monate hat die Stiftung für ihre Ausstellung Konzepte erarbeitet und Ideen skizziert, um zu zeigen, dass Denkmalschutz eben keine Selbstverständlichkeit ist. Sie wollen einen Blick hinter die Kulissen ermöglichen, der sensibilisiert und euphorisiert. Das Ergebnis sieht erstmal eher unspektakulär aus. Angelehnt an die handwerkliche Praxis der Gebäuderestauration wurden Gerüstkonstruktionen angefertigt, die an informationsbeladene Messestände erinnern. Doch der Schein trügt: Wer näher tritt, findet überall kreative Möglichkeiten der Partizipation, die mit einer gekonnten Mischung aus haptischen und digitalen Elementen den eigenen Entdeckerdrang wecken.

Holz wird von Schädlingen
und Feuchtigkeit bedroht

Bei der zweiten Station wird etwa der natürliche Einfluss auf ein Stück Holz, eine Grundsubstanz vieler Denkmäler, digital dargestellt. Schädlinge schlagen sich hier den Magen voll, Feuchtigkeit und Pflanzenbewuchs rücken dem Balken zu Leibe. Die gegenüberliegende Seite widmet sich dem Schöpfer, aber auch Hauptfeind aller Bauwerke: dem Menschen. „Nicht selten werden von Verantwortlichen zweifelhafte Entscheidungen in diesem Bereich getroffen. Vor 100 Jahren sollte das Holsteintor zum Beispiel abgerissen werden, heute ist es das Wahrzeichen von Lübeck“, zieht Masthoff als Beispiel heran.

Wer will, kann an einem Sprengzünder Hand anlegen und abgerissene Bauwerke, wie den alten Plenarsaal in Bonn, digital noch einmal in die Luft jagen. Eine kleine Bewegung zeigt hier große Wirkung: Das endgültige Verschwinden einmaliger Architektur. Das hinterlässt ein flaues Gefühl in der Magengegend.

Die dritte Station eröffnet einen Blick auf die Gegenseite. Statt roher Sprengkraft wird dem Besucher hier feinsinnige Handwerkskunst gezeigt. Verschiedene Werkzeuge sind aufgereiht, die zum Erhalt von Denkmälern beitragen. Wer etwa auf den breiten Pinsel drückt, an dem „Ein Meister der Imitation“ steht, sieht danach auf einem Video wie mit ihm Holzmaserungen simuliert werden. „Es geht darum, mit der Vergangenheit verantwortungsvoll umzugehen. Denkmäler sind gebaute Geschichte“, so Christof Rose von der Architektenkammer NRW. Im Forum der Kammer im Medienhafen feiert die Wanderausstellung ihre Premiere. Sie soll noch an anderen Stellen gezeigt werden. An deren Ende werden dem Besucher die Denkmäler seiner Region gezeigt – und so der Bezug zur eigenen Lebensrealität hergestellt. Die rosafarbene Fassade des Benrather Schlosses ist hier ebenso zu sehen wie das Malkasten-Haus.

„Deswegen hoffen wir natürlich, dass sich der Besucher am Ende der Ausstellung auf die Seite des Denkmalschutzes schlägt und sich für ‚Liebe’, anstelle ‚Last’ entscheidet“, sagt Masthoff.