Die weibliche Fanszene im Fußball macht mobil

Ausstellung : Ausstellung macht Frauen im Stadion sichtbar

Die Geschichten, die der Fußball schreibt sind meistens männlich. Dabei gibt es jede Menge Frauen, die mit genauso viel Leidenschaft dabei sind. Die Ausstellung „Fan.tastic Females“ im Foyer der Volkshochschule gibt einigen davon ein Gesicht.

Sie haben viele Gesichter. Da sind die, die jedes Auswärtsspiel mitnehmen und immer unterwegs sind. Die, die mit erhobener Faust in der ersten Reihe stehen und am lautesten rufen. Und auch die, die eher ruhig beobachten. Sie sind über 90 oder noch unter 18. Kommen mit Schal oder ohne. Tragen ein Vereins-Trikot oder nicht. Eines sind sie aber alle: Frauen. Auch wenn in der Öffentlichkeit Fankultur eher männlich wahrgenommen wird, sind die Kurven schon lange nicht mehr nur von Männern gefüllt. Frauen erobern immer mehr die Stadien in Deutschland und Europa. Und eine neue Ausstellung, die ab heute im Foyer der Volkshochschule zu sehen ist, erzählt ihre Geschichten.

 Die Idee kam bei einem Treffen des Fan-Netzwerks „Football Supporters Europe“ schon im Jahr 2010. Dort gab es erstmals einen Workshop zum Thema weibliche Fankultur. Erst ein paar Jahre später wurde die Idee handfester, ein Konzept entworfen, Aufgaben verteilt. Zwischen 2016 und 2018 sind 70 Freiwillige aus 14 Ländern in Teams quer durch Europa und ein bisschen weiter gereist und haben nach den Geschichten im Fußball gesucht, die von Frauen geschrieben werden. Herausgekommen ist eine Wanderausstellung mit historischen Informationen zum Thema - und Portraits von Frauen, die unterschiedliche Rollen einnehmen. Dazu viele Videos, die sich auch - gegen Spende für einen Zugangscode - zuhause ansehen lassen.

 Die Düsseldorferin Sue Rudolph war eine der Interviewerinnen. Sie geht selbst seit fast 20 Jahren zu Fortuna und ist auch seit ein paar Jahren in der Fanszene bei F95. Antirazzista aktiv. Sie interviewte vor allem Frauen in NRW und in der Schweiz. „Wir wollten die Rolle der Frau im Stadion auch mal neu und positiv besetzen“, sagt sie. Denn die Stereotype, die in der Öffentlichkeit bestehen, spiegeln nicht die Wirklichkeit wider. Die Frauen im Stadion seien eben nicht nur die hübsche Spielerfrau oder die „Freundin von“. Auch unter den Frauen gebe es die, die schon seit Kindertagen dabei sind. Oder die, die jede freie Minute dem Verein widmen.

 Über 80 Interviews wurden geführt  – das Vorgehen war meist ähnlich. Es ging um Fragen wie: Wie bist du zum Fußball gekommen? Was war dein schönstes Erlebnis? Und was sind negative Erfahrungen? „Es gibt keine Frau, die kein negatives Erlebnis erzählen kann“, sagt Sue Rudolph. Sexismus sei in vielen Fankurven noch ein großes Thema. Abfällige Bemerkungen, doofe Fragen, schiefe Blicke - aber immer wieder auch sexuelle Gewalt. Doch auch wenn diesen Erlebnissen ein wenig Platz eingeräumt wird - auf einer „Wall of Shame“ können Besucher der Ausstellung eigene Erfahrungen teilen - die Ausstellung widmet sich eher den positiven Seiten.

 „Es gibt so viele tolle, interessante und starke Frauen in den Kurven“, sagt Sue Rudolph. Die alle eine eigene Geschichte zu erzählen haben. „Die Lebensläufe und die Bereiche, aus denen sie kommen, sind total unterschiedlich.“ Auch ältere seien dabei - etwa Arsenal-Fan Maria Petri, die seit 50 Jahren kein Spiel verpasst hat. Oder eine 90-Jährige, die noch ganz andere Zeiten im Stadion erlebt hat. Zeiten, in denen Frauen auch hier in den Blöcken oft noch unerwünscht waren. „Da sieht man schon, dass sich viel getan hat“, sagt Sue Rudolph. Das sagt auch Martina Voss-Tecklenburg, Frauen-Bundestrainerin und Fortuna-Aufsichtsrätin. „Wir haben schon Riesenschritte gemacht.“ Das Interesse von Frauen am Fußball sei groß. Und immer wieder tragen sie zu einer positiven Stimmung in den Blöcken bei. Aber auch immer wieder müssten sie sich negative Kommentare oder Beleidigungen gefallen lassen

 Die Ausstellung will das verändern. Will zeigen, dass es sie gibt, die Frauen in der Kurve. Und vielleicht auch den Zugang erleichtern für die, die unsicher sind, ob sie dort willkommen sind. Auch die Vorbereitungen zur Ausstellung haben da schon geholfen. „Wir sind mit so vielen interessanten Frauen ins Gespräch gekommen und haben uns auch besser vernetzt.“ Außerdem seien schon einige neue Initiativen zu diesem Thema entstanden – in nahezu allen Städten, in denen die Wanderausstellung schon zu Gast war. „Mit der Ausstellung wird auf dieses sensible Thema aufmerksam gemacht. Und das ist sehr wertvoll“, sagt Martina Voss-Tecklenburg.