1. NRW
  2. Düsseldorf
  3. Kultur

Tonhalle: Die Symphoniker mal ganz persönlich

Tonhalle : Die Symphoniker mal ganz persönlich

Bei dem Familienkonzert „Das Lieblingskonzert“ am Sonntag zeigt sich das Düsseldorfer Orchester von seiner persönlichen Seite. Was ist das Lieblingsgericht, wer der Lieblingskomponist oder sogar der Lieblingston? Ariane Stern und Oboist Guilherme Filipe Costa e Sousa stellen uns das Konzept vor.

Guilherme kommt aus Portugal, er ist in Coimbra geboren und früher hat er leidenschaftlich gerne Francesinha – wörtlich übersetzt heißt das „kleine Französin“ – gegessen. Hinter diesem Namen versteckt sich ein portugiesisches Sandwich, mit Toastbrot, Steak, Wurst, Käse, oben darüber ein Spiegelei, alles überbacken mit Käse mit einer speziellen tomatigen Soße und ordentlich Pommes, beschreibt Guilherme. „Aber jetzt esse ich das nicht mehr“, weil er versuche, sich jetzt gesünder zu ernähren.

Guilherme – sein vollständiger Name ist Guilherme Filipe Costa e Sousa und er ist Solo-Oboist der Düsseldorfer Symphoniker – würde man unter normalen Umständen weniger derart geartete Fragen stellen, wie etwa, was sein Lieblingsgericht ist. Auch würde man unter normalen Umständen nicht auf die Idee kommen, einen Künstler wie ihn ungeniert beim Vornamen zu nennen, wie wir es eingangs getan haben, es sei denn, man ist mit ihm befreundet und er hat uns das Du angeboten.

Düsseldorfer Symphoniker stellen sich persönlichen Fragen

Doch am Wochenende – genauer gesagt am Sonntag ab 11 Uhr – sind die üblichen Regeln und Gesetze der klassischen Konzert-Welt zumindest in Teilen außer Kraft gesetzt. Eine Praxis nämlich, in der, trotz aller Offenheit der Tonhalle – die viel Wert auf eine niederschwellige Kommunikation legt –, dann doch Gebräuche vorherrschen, die den direkten persönlichen, ganz persönlichen, Kontakt zwischen Publikum und Musikern eher zur Ausnahme machen. Üblich ist, dass ein Sinfonie-Orchester wie die Düsys, so der Spitzname des Düsseldorfer Symphoniker, dem Publikum eher als anonyme Masse auf dem Podium begegnet, die Zuhörer mehr mit ihrer Klangkultur, ihrer Musik, als mit persönlichen Anekdoten begeistert.

Doch es dürfte viele, vielleicht auch gerade junge Konzertgänger, schon immer mal danach gedürstet haben, die Musiker vielleicht auch mal ein bisschen persönlicher kennenzulernen. Dazu gibt es jetzt Gelegenheit. Was ist deine Lieblingsmusik? Für dich ist dein Instrument das Allerschönste, weil? Was könnte dein Instrument im Tierreich sein? Oder sogar – eine wirklich sehr schöne Frage: Was ist dein Lieblingston? Der Lieblingston von e Sousa ist übrigens das „B“, ein schöner warmer Ton, dem sich der Schreiber dieser Zeilen gerne anschließt. Ariane Stern, die Konzertpädagogin der Tonhalle, mag das „D“ sehr gerne, sagt sie uns. Sie wird diese und ähnliche Fragen in dem „Lieblingskonzert – das Orchester stellt sich vor“ bei dem Familienkonzert am Sonntag an die Düsys stellen. Fragen, die auch durch Fragen von Kindern inspiriert wurden, die bei einigen dieser Fragen sogar selbst auf die Bühne kommen werden dürfen, um ihre Frage den Musikern zu stellen.

Das Konzept dieses besonderen Konzertes klingt auf das erste Hören derart stimmig, dass man sich fast fragt, wieso so etwas nicht schon immer und vor allem immer wieder gemacht wird. Ein Konzert mit Musik, die die kulturelle Vielfalt der Orchestermitglieder spiegelt, von Mozart über Copland, von Ravel, Bartók und Grieg bis Offenbach, Rossini, Puccini oder Bizet. Es sind 22 Nationalitäten, hat Stern bei ihrer Recherche zur Vorbereitung des Konzerts herausgefunden, die bei den Symphoniker aufeinandertreffen. Dazu dann beim Konzert als „Spotlights“ – wie Stern es beschreibt – immer wieder der Griff zum Mikro und kurze Gespräche mit Mitgliedern des Orchesters, die auch mal über ihre Hobbys oder vielleicht auch ihre Lieblingsgerichte berichten. Wie e Sousa uns erzählt, mag das ganz spannend sein, solche Fragen zu beantworten – denn so einfach ist es gar nicht zu sagen, was etwa die Lieblingsmusik von einem sei. Er habe sich durch die Fragen, die Stern in Form eines Fragebogens zur Vorbereitung des Konzertes an die Düsys ausgegeben hatte, zum Nachdenken angeregt gefühlt, „Ich habe mich an viele schöne Momente erinnert. Dazu wäre ich wahrscheinlich nicht gekommen, wenn man mich diese Fragen nicht gefragt hätte.“

Am Sonntag stehen auf dem Programmzettel aber auch noch weitere Namen: Erste Konzertmeisterin Franziska Früh, mit der der Oboist gemeinsam Bachs Konzert für Oboe und Violine (BWV 1060) spielen wird, als Gast Sopran Daria Muromskaia – immerhin sind die Düsys auch ein Opernorchester – und natürlich auch der Dirigent des Tages: Martin Fratz.

Respekt den Düsys, dass sie diesen schönen Spaß mitmachen. Gute Stimmung über Generationen hinweg soll es bei ihnen ja ohnehin geben, wie e Sousa uns auf so sympathische Weise berichtete.

Für das Familienkonzert (empfohlen ab 6 Jahre) in der Tonhalle (Ehrenhof) am Sonntag, 29. September, um 11 Uhr gibt es für 14 Euro (Kinder sieben Euro) Karten.

tonhalle.de