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Theater an der Kö: Die Suche nach Glück in jeder Geste

Theater an der Kö : Die Suche nach Glück in jeder Geste

Im Theater an der Kö feierte die Komödie „Glück“ mit Peter Bongartz und Barbara Wussow Premiere.

Düsseldorf. Zwanglos sind sie auf der Suche nach dem „Glück“. Louise, eine erfolgreiche Kinderbuchautorin, und Alexandre, ein Gastronom, der im schicken Paris das Nobelrestaurant „Der provenzalische Hirsch“ führt. Sie: geschiedener Single. Er: Vater von drei Töchtern, gibt sich ebenfalls als ungebunden aus, wenn seine Scheidung auch erst im Laufe des gleichnamigen Stücks von Eric Assous vollzogen wird. Die Konstellation klingt für beide vielversprechend. Es wäre zu schön, um wahr zu sein, wenn sie nach ihrer ersten gemeinsamen Nacht feststellen könnten, dass beide zur gleichen Zeit dieselbe Vorstellung von einer Liebesbeziehung und von persönlichem Glück hätten. Doch wo gibt’s das schon?

Wie Alexandre und Louise sich über zahlreiche Umwege und Irrwege dann doch irgendwie zusammenraufen (oder vielleicht auch nicht) — das ist jetzt im Theater an der Kö zu erleben. Dort wurde die Premiere des Zwei-Personenstücks, 2012 im Théâtre Marigny in Paris uraufgeführt, begeistert gefeiert. Und zwar in Luxusbesetzung: Barbara Wussow und Peter Bongartz — zwei reife Darsteller, die den Figuren — im Stück sollen Louise und Alexandre so Ende 50 sein- ähnlich erscheinen, ihnen zumindest einen persönlichen Anstrich verleihen.

Wussow, eine Meisterin der Zwischentöne und Nuancen, gibt die meist überlegene Frau, die anfangs mehr will als er, erst später lockerer wird. Bongartz mimt den ambivalenten Senior, den schwächlichen Macho und Taktiker. Ihn hat erst spät das Vaterglück ereilt, daher möchte Monsieur sich nicht festlegen und hat am Liebsten zwei Eisen im Feuer. Wenn’s kritisch wird indes, übernimmt er Verantwortung.

Beide Schauspieler wurden durchs Fernsehen bekannt, sind aber gleichzeitig sichere und routinierte ‚Rampensäue’. Monate lang waren sie in der locker luftigen Inszenierung von Michael Wedekind und Thomas Pekny (Dekor) auf Tournee, quer durch die Republik.

Ihre Suche nach Glück wirkt daher in jeder Geste natürlich, ungezwungen. Elegant und locker schnurren die Dialoge und manchmal schrägen Szenen vorüber — im gediegenen Ambiente von Louises Wohnung. Doch das ungleiche Duo macht immer wieder Ausflüge in philosophische Tiefen, sie reflektieren über eine mögliche Beziehung, Glück und die Nähe, die sie bereit sind zuzulassen. Dabei stets im Blick: Die Leichtigkeit des Seins. Und Heiterkeit. So verblüfft Louise ihren Partner mit dem Ausruf „Ich will doch keine ernste Beziehung!“ Dabei ist es sie, die zunächst die Wohnungstüre abschließt, ihn nach der ersten Nacht nicht gehen lassen will.

Seltsam verdrehen sich die beiden in diesen Passagen. Louise, die Überlegene, Alexandre, der sich in unglaubwürdigen Ausreden verstrickt. Als er es eilig hat und plötzlich vorgibt, seine uralten Eltern vom Bahnhof abholen zu müssen, wittert sie Verrat und seinen Wunsch, es bei einem One-Night-Stand zu belassen.

Kurzweilig und wenig aufgesetzt wirken ihre Sticheleien, mit denen sie den Partner auf die Palme bringen wollen. Nicht immer sind sie dabei erfolgreich, stattdessen nähern sie sich Zug um Zug an. Ob es zu nach eindreiviertel Stunden zu einem Happy End für die zwei kommt? Schwer zu sagen. Der Autor hat manche Überraschungen und unerwartete Wendungen parat. Kaum liegen sie sich als Spät-Braut und Bräutigam in den Armen und wollen spontan zu ihrer Hochzeitsreise aufbrechen, da klingelt sein Smartphone.

Wer am anderen Ende ist und damit das eben Erreichte erneut aufs Spiel setzt? Das darf nicht verraten werden. Geschickt versetzt das Stück die Zuschauer — trotz aller komödiantischen Momente und süffigen Wort-Duelle — ins Grübeln. Darüber, was wahre Liebe ist, oder ob es sie überhaupt gibt. Doch wer Patentrezepte für dauerhaftes Glück erwartet, sieht sich am Ende getäuscht. Das wäre auch zu banal.