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Theater an der Kö: „Die Neue“ mit alternativem und urkomischem Finale

Theater an der Kö : „Die Neue“ mit alternativem und urkomischem Finale

Das Theater an der Kö zeigte Eric Assaus Stück und erntete viele Bravorufe.

Die Trumps, die Münterferings, die Schröders… Altersunterschiede zwischen einigen berühmten Männern und ihren Frauen liegen bei weit über 20 Jahren, ebenso bei den Macrons, da nur umgekehrt. Doch niemand regt sich heute mehr auf – über die extreme Differenz an Jahren zwischen (Ehe-)Partnern. Bis auf die eigene Familie. Die kann ganz schön Terror machen. Das erfährt auch Rotger – ein wohlhabender Senior und erfolgreicher Geschäftsmann – als er, nach dem Tod seiner Frau, nicht nur mit der 25 Jahre jüngeren Yvonne zusammenlebt, sondern die Ärztin auch noch heiraten will. Schwangerschaft inklusive.

Dagegen laufen sie Sturm – die Söhne Finn und Axel, die schon längst die 30 überschritten haben, selbst Väter sein könnten. „Die Neue“ lehnen sie ab, scharf und undiplomatisch. Klar, dass da noch nicht das letzte Wort gesprochen ist – in der gleichnamigen Gesellschafts- und Familien-Satire von Eric Assous, deren Premiere jetzt im Theater an der Kö mit Bravorufen für Darsteller und Regie gefeiert wurde.

Seit Yasmina Rezas „Kunst“ erleben in Frankreich Familien-Komödien eine Renaissance. Dass es weniger um elegant seichtes Salon-Geplauder, sondern, beinah wie in einer Reality-Serie, zur Sache gehen und zu dramatischen Rede-Duellen kommen kann, beweist auch Eric Assous in seinen Stücken. Er trifft mit „Die Neue“ den Nerv der Zeit und kredenzt satirischen Witz, der aber – zumindest anfangs – mit einer leichten Tragödien-Kruste überzogen ist.

So inszeniert René Heinersdorff in seinem Jubiläums-Spielplan damit erneut ein Werk aus der Feder des Pariser Erfolgs-Autors, setzt im ersten Teil auf behutsam komischen Schlagabtausch zwischen Söhnen, schwangerer Schwiegertochter Fanni (Finns Ehefrau) und Vater Rotger. Das Klavier, auf dem die Mutter gespielt hat, verkaufte der Vater. Und die alten Ming-Vasen sind verschwunden, stattdessen stehen seine Modell-Autos im Regal. Alles ist nur peinlich! So die jungen Herren. Für Finn (Makke Schneider), den tüchtigen Telecom-Manager, und Axel (Oliver Dupont), einen erfolg- und arbeitslosen Künstler, der immer noch einen Monats-Scheck von Papa einsteckt. Diskret, versteht sich. Verständnis für das späte Glück ihres Schwiegervaters hat nur Finns Frau Fanny (Isa Weiss). Selber hochschwanger, geriert sie sich als Gutmensch und Unschuld vom Lande.

Nach der Pause wendet sich das Blatt, macht Platz für eine turbulente Comedy. Hier verändert sich der Tonfall zum Boulevard hin: ‚Plötzlich’ – neun Monate später – haben sich die Söhne mit der ‚Neuen’ versöhnt. Das alte Klavier steht wieder an vertrauter Stelle, ebenso die China-Vasen. Dann hageln die Pointen über die Rampe. In Affenzahn, so dass selbst Patchwork-Familien-Kenner Mühe haben dürften, die verwandtschaftlichen Beziehungen exakt zu benennen. Denn, man ahnt es schon, auch Yvonne, selbst Mutter von zwei erwachsenen Töchtern, schiebt im Kinderwagen ihren Sohn aus der Beziehung mit Rotger. In welchem Grad ist dieses Baby verwandt mit dem Nachwuchs von Fanny und Finn? All’ das mündet in einem urkomischen Finale voller schräger Überraschungen. Regisseur Heinersdorff, selbst Erfolgs-Autor, veränderte nämlich das Ende von Assous und drückt so auf die Tube, dass manchem schwindelig wird.

Peter Bongartz und Ann-Cathrin Sudhoff ragen als Schauspieler heraus. Bongartz (TV-Berühmtheit dank Thriller und Serien) gibt mit trockenem Humor, Ironie und Gelassenheit den Senior, der seine Söhne auflaufen lässt, den Familienfrieden nicht um jeden Preis retten will. Sudhoff (auch bekanntes Fernsehgesicht durch norddeutsche Quoten-Serien wie „Großstadtrevier“) überzeugt als unterkühlte „Neue“, die sich mit Ablehnung abfindet, aber, wenn’s um die eigenen Kinder geht, keinen Spaß versteht, lautstark zankt und streitet.

„Die Neue“ ist  bis zum 15. März zusehen. Karten-Telefon: 322 333.

theateranderkoe.de