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Die Menschen hinter den Stolpersteinen

Die Menschen hinter den Stolpersteinen

Die Mahn- und Gedenkstätte zeichnet die Lebenswege der Verfolgten nach und gibt ihrem Andenken durch Fotos ein Gesicht.

Düsseldorf. Über seinen Namen stolpern die Passanten auf der Kö. Vor der Hausnummer 86 erinnert der Kölner Künstler Gunter Demnig an Walter Erle. Seine berühmten Stolpersteine verlegt Demnig inzwischen europaweit, in Düsseldorf liegen 231 von ihnen.

Die Mahn- und Gedenkstätte erzählt in ihrem gerade erschienen Buch „Stolpersteine“ die Lebensgeschichten derer, die sich hinter den schlichten Tafeln vor Wohnhäusern der von den Nazis verfolgten und ermordeten Menschen verbergen.

Bei Walter Erle endet die Geschichte in der Gaskammer von Hadamar. Hierhin wurde der 1908 in Düsseldorf geborene Kaufmann gebracht, nachdem er als Patient in der psychiatrischen Klinik in Grafenberg den Nazis in die Finger fiel.

Neben der auf Deutsch und auf Englisch verfassten Biographie findet sich ein Foto eines sogenannten Gekrat-Busses aus der Sammlung der Gedenkstätte. Scheinbar harmlos nannten die Nazis den „Gemeinnützigen Krankentransport“, der auch Erle in den Tod beförderte.

Die Familiengeschichten, die das Buch auch als Stadtgeschichte begreift, enden nicht an Düsseldorfs Grenzen. Daher gibt die 232 Seiten starke Neuerscheinung auch Auskunft über Menschen aus Erkrath, Langenfeld, Mettmann, Monheim und Ratingen.

An den Pfarrer Franz Boehm etwa erinnern gleich zwei Steine, einer in Gerresheim und einer in Monheim. Der in Dachau ermordete Geistliche wurde 1944 wegen seiner Osterpredigt verhaftet. Ein Porträtfoto aus dem Historischen Archiv des Erzbistums Köln zeigt einen ernsten Mann mit Nickelbrille. Allein der Blick zeugt von seiner persönlichen Haltung.

Eine starke Leistung der Herausgeberin Hildegard Jakobs von der Mahn- und Gedenkstätte ist der auf 20 Seiten zusammengefasste Überblick zur Nazi-Geschichte Düsseldorfs. Darin wird erstmals auch ein Foto vom Güterbahnhof in Derendorf gezeigt, von wo aus mehr als 6000 Juden in die Ghettos und Vernichtungslager deportiert wurden. Und auch der getöteten Widerständler wird gedacht — mit Stolpersteinen und Lebensgeschichten.