Die junge Oper am Rhein

Generalintendant Christoph Meyer setzt auf Experimentierfreude. Architekt Daniel Libeskind könnte zum Beispiel bald Regie führen.

Düsseldorf. Christoph Meyer gelang mit der "Oper für alle" am Burgplatz ein fulminanter Start in Düsseldorf. Ein Jahr danach geht am Freitag die nächste Gala über die Bühne. Zudem ist der neue Spielplan fertig, und Meyer holt mit einem Mozart-Zyklus und einer Fortsetzung moderner Opern aus, um das Profil seines Hauses zu schärfen.

Meyer: Vor allem konnten wir Interesse wecken. Viele Menschen haben erst durch diese Opern-Gala mit Public Viewing realisiert, dass wir hier in Düsseldorf ein Opernhaus mit großartigen Künstlern haben. Ich hatte drei Mal erlebt, dass, wenn ich am Flughafen ins Taxi stieg und als Ziel die Oper angab, der Fahrer nicht wusste, wo sie sich befindet.

Meyer: Ich glaube, das ist bereits gelungen. Viele sind zum ersten Mal oder nach sehr langer Zeit wieder in der Oper, fühlen sich angesprochen vom Spielplan, vom neuen Erscheinungsbild, von der Art, wie wir auf unser Publikum zugehen. Ganz gezielt wenden wir uns ja an das junge Publikum.

Meyer: Wir erreichen sie mit unterschiedlichsten Projekten wie zum Beispiel mit Kinderopern wie "Robin Hood", und wir konnten in dieser Spielzeit schon über 12 500 junge Besucher zählen. Mit Familienführungen, Einführungen und Workshops führen wir Kinder und Schulklassen auch an das große Repertoire heran. Insgesamt haben wir dieselben Zahlen wie mein Vorgänger Tobias Richter. Das ist bei einem Neuanfang nicht selbstverständlich.

Meyer: Gerade in dieser Inszenierung haben sehr viele Besucher und Kritiker eine besonders schlüssige Interpretation von Wagners "Tristan und Isolde" erkannt. Die meisten Menschen sind bereit, sich auf neue Sichtweisen einzulassen. Davon lebt die Kunst!

Meyer: Die Vorbereitung eines neuen "Rings" braucht einen Vorlauf von mehreren Jahren. Die Solisten, die ich dafür hätte engagieren wollen, hätte ich schon vor einigen Jahren engagieren müssen, also in einer Zeit, als ich noch gar nichts von meinem Vertrag an der Deutschen Oper am Rhein wusste. Für das Düsseldorfer Publikum wäre ein neuer Ring wunderbar.

Meyer: Eine Vergrößerung des Grabens ist wie bei unseren Vorgängern ein extrem wichtiges Thema für uns. In diesem Sommer werden zur Verbesserung der Akustik unter anderem schon sieben Schallsegel über dem Orchestergraben installiert. Weitere Maßnahmen sind in der Planungsphase.

Meyer: Wir haben mit Benjamin Britten und mit der französischen Barockmusik von Jean-Philippe Rameau einen Zyklus begonnen - Opern von Komponisten, die in Düsseldorf und Duisburg noch nie gezeigt wurden. Ein neuer Mozart-Zyklus ist selbstverständlich für ein Opernhaus dieser Größe, attraktiv fürs Publikum, aber auch wichtig für die Ensemblepflege - insbesondere für unsere jungen Sängerinnen und Sänger.

Meyer: Nach "Peter Grimes" zunächst "Billy Budd" und später "The Turn of the Screw". Aber ich sage noch nicht, wer es macht. Nur so viel: Es wird eine tolle Sache.

Meyer: Es gab erste Kontakte und wir wollen den Gedanken weiterverfolgen. Ob sich daraus eine Zusammenarbeit ergibt, werden wir in weiteren Gesprächen ausloten.

Meyer: Nein, überhaupt nicht. Wir kämpfen doch hier alle für dieselbe Sache, außerdem hätte ein solcher Charakterzug in meinem Herzen gar keinen Platz. Im Gegenteil, ich freue mich jeden Tag über diesen so schnell eingetretenen Erfolg unseres Balletts. Nebenbei bemerkt hat die Oper überregional ebenfalls sehr deutlich an Aufmerksamkeit gewonnen. Ich habe von Anfang an gesagt: Wenn ich mir einen Ballettchef aussuchen kann, dann Martin Schläpfer. Ich möchte ihm alle Freiheiten lassen, weil ich ihn für einen sehr großen Künstler halte. In Deutschland ist er derzeit der Beste.

Meyer: Die dezentrale Struktur mit unseren verschiedenen Standorten in Düsseldorf und Duisburg macht die Arbeit natürlich nicht leichter, aber wir sehen uns selbstverständlich regelmäßig.

Meyer: Für die Oper "Der Zwerg" von Alexander Zemlinksy nach Oscar Wildes Märchen "Der Geburtstag der Infantin". Musikalisch ist es ein Meisterwerk und vom Stoff her eine sehr berührende Geschichte. Die Infantin bekommt zum Geburtstag als Spielzeug einen Zwerg, der nicht weiß, dass er klein und hässlich ist, weil er nie in einen Spiegel schauen konnte. Zum Schluss hält sie dem Zwerg, der sich natürlich in sie verliebt hat, einen Spiegel vor, lässt ihn sterben und sagt: Das nächste Mal möchte ich ein Spielzeug ohne Herz haben.

Meyer: Zum Beispiel wenn ich spüre, dass es uns gelungen ist, das Publikum zu bewegen. Mich berührt aber auch die enthusiastische Arbeit der gesamten Belegschaft der Deutschen Oper am Rhein. Wir haben den Mitarbeitern extrem viel zugemutet und alle haben toll mitgezogen.

Meyer: Die finanzielle Situation in Duisburg stellt uns vor größte Herausforderungen. Unser Kooperationsvertrag läuft bis 2014, und auf politischer Seite stehen in nächster Zeit sehr verantwortungsvolle Entscheidungen an. Die Deutsche Oper am Rhein auf drei Städte auszuweiten, wäre überhaupt nicht praktikabel. Da müssen andere Lösungen gefunden werden.

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