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Die Ideen der Museen in Düsseldorf fürs Warten und danach​

Ausstellungen : Die Ideen der Museen fürs Warten und danach

Die Häuser stehen bereit, wieder zu eröffnen. Während sie auf Zeichen des Krisenstabs hoffen, verwandelt sich der Chef des NRW-Forums in eine Drag-Queen.

Noch sind die Ausstellungshäuser in Düsseldorf geschlossen, während sie in Frankfurt oder Brandenburg schon wieder öffnen. „Wieso dürfen wir das nicht?“, fragt Gertrud Peters vom KIT die Ministerin Isabel Pfeiffer-Poensgen. „Konzepte zur Vorsorge liegen bereit, der Wille ist da und alle Voraussetzungen auch.“ Wir sprachen über dieses Thema mit den Museumsleuten und berichten über Internet-Auftritte und Verwandlungskünste.

Abstandsregelungen und Besucherbeschränkungen sind das geringste Problem. Wachpersonal, das Menschen und Kunstwerke auf Abstand hält, ist ohnehin präsent. Online-Tickets mit Zeitfenster und ausgeklügelte Wegeführungen sind eingeplant. Gregor Jansen von der Kunsthalle hält mit „Subjekt und Objekt. Foto Rhein Ruhr“ eine sensationelle Fotoschau bereit, mit 107 Künstlern aus drei Generationen, die allesamt aus der hiesigen Region stammen. Die Mammutschau in Kooperation mit Ralph Goertz als Hauptkurator steht inzwischen im Netz. Danach erlebt der zukünftige Besucher im Video, wie allüberall in den Räumen und Treppenhäusern der Kunsthalle Fotos neben- und übereinander hängen. Um die Vorfreude zu schüren, stellt Gregor Jansen auch ein lustiges Foto von Thomas Ruff ins Netz, der nach seinem Studium bei Bernd Becher ein Paris-Stipendium erhielt und sich dabei offensichtlich langweilte. Jedenfalls schlängelte er sich in perfekter Akrobatik unter Tisch und Stuhl hindurch. Er muss ein guter Turner gewesen sein, wie er mit Selbstauslöser beweist. Gregor Jansen hofft auf eine Eröffnung ohne Feier am 5. Mai. „Wir haben große Freiflächen und breite Türen. Wir haben auch nie den großen Run mit 200 Personen auf einmal gehabt“, sagt er.

Marina Schuster, Sprecherin des Kunstpalast, hofft gleichfalls auf ein Startzeichen. Strenge Hygieneauflagen und Distanzregeln seien selbstverständlich. Schuster verweist auf die Website und auf den Shop, der insofern wichtig ist, als man dort auch Tickets kaufen könnte, sofern die Wiedereröffnung feststeht. Der Kunstpalast ist allerdings von Corona mehr als andere Häuser betroffen, denn seine Ausstellungen gehen auf Tournee. Nur „Sichtweisen“ wird verlängert. Die Publikumsrenner Lindbergh und Kauffmann aber sind durch Verträge an ihre Laufzeit in Düsseldorf gebunden. Die Schau des Modefotografen läuft bis 1. Juni, aber nicht länger. Das Hamburger Museum für Kunst und Gewerbe wartet schon auf die Übernahme. Danach geht es nach Darmstadt und, sollte sich die Corona-Krise abschwächen, nach Neapel.

Bei „Verrückt nach Angelika Kauffmann“ sei noch vieles unklar, meint Pressesprecherin Schuster. Die Ausstellung läuft bis 24. Mai und wandert dann in die Royal Academy of Arts nach London, woher die ausgestellten Deckengemälde stammen. Da die Royal Academy of Arts ein privates Institut ist, wisse man nicht, so Schuster, ob der Weg über den Kanal freigegeben wird. Die öffentlichen Führungen zu Kauffmann in Düsseldorf sind allesamt ausgebucht. Ob sie durchgeführt werden, ist unklar. Feststeht lediglich, dass die „Grosse“ erst im Juni 2021 zu sehen sein wird.

Susanne Gaensheimer von der Kunstsammlung denkt wie ihre Kollegen an eine „behutsame Wiedereröffnung“. Die Retrospektive für Thomas Ruff ist auf Ende September verlegt. Die kostbare Picasso-Ausstellung kann wahrscheinlich über den Sommer verlängert werden, denn sie geht nicht auf Tournee. Doch auch Gaensheimer weiß: „Einfach die Türen aufschließen und da weitermachen, wo man Anfang März zugemacht hat, geht nicht.“

Ihre Vorgängerin Marion Ackermann denkt als Generalintendantin in Dresden inzwischen in ihren publikumsträchtigen Häusern über neue Öffnungszeiten zwischen 8 und 24 Uhr nach. Bei Lindbergh, Kauffmann und Picasso wäre das sicherlich möglich, um verlorenes Terrain wettzumachen. Aber noch gibt es keinerlei behördliche Empfehlungen oder Vorgaben, selbst zu möglichen Besucherzahlen nicht. Kulturdezernent Hans-Georg Lohe erklärt lediglich, der Corona-Krisenstab in Düsseldorf entscheide über die Öffnung der Häuser.

So müssen sich die Kunstfans vorerst mit den Darbietungen im Internet begnügen, die ihnen in Catwalk-Manier Bilderfolgen erklären. Eine Ausnahme bildet „Let‘s do Drag“, in der die Düsseldorfer Dragqueen Lola Lash Alain Bieber vom NRW-Forum verwandelt. Bieber erhält passend zur schrägen Schau von Martin Schoeller, die bis 13. September verlängert wird, einen Schnellkurs im Schminken und in der Lippensynchronisation. Zum Schluss wird er selbst zur Drag Queen mit langem Perückenhaar.

Zugleich ruft er die Zuschauer auf, selbst mitzumachen, sich zu Hause zu schminken und die Bilder auf Instagram zu teilen unter dem Hashtag #letsdodrag. Die zehn schönsten, schrillsten, künstlerischsten Bilder werden prämiert. Verlost werden ein Backstage-Treffen mit Lola Lash, Eintrittskarten fürs NRW-Forum und ein Buch von Martin Schoeller. Die Serie ist auf den Social-Media-Kanälen und der Homepage des NRW-Forum zu sehen.