Düsseldorf Die Horten-Fassade landet in der Kunstakademie

Drei Studenten und Ehemalige vom Eiskellerberg retten die Hülle des Kaufhofs an der Graf-Adolf-Straße vor dem Einschmelzen.

Düsseldorf: Die Horten-Fassade landet in der Kunstakademie
Foto: Meister

Düsseldorf. Ein Laster-Taxi steht vor dem Hintereingang der Kunstakademie. Ein Student und zwei Ehemalige sind damit beschäftigt, Bau-Elemente aus schwerem Aluminium auf einem Rollwagen ins Haus zu fahren. Sie stöhnen, denn 4,4 Kilogramm wiegt so ein Kastenobjekt. Was ist da nur los? Christian Odzuck, der Kopf der Dreierbande, antwortet sofort: „Wir karren die Eiermann-Fassade vom ehemaligen Horten-Kaufhaus in die Akademie. Wir haben Teile davon gerettet.“

Die drei wissen natürlich, dass die Fassade nur ein Zitat von Eiermann aus dem Architekturbüro HPP ist, aber für sie ist es Eiermann. „Die Eiermann-Fassade ist eine Ikone der modernen Architekturgeschichte. Die mussten wir vor dem Einschmelzen retten“, schwärmt Odzuck, der letztjährige Förderpreisträger der Stadt.

Ihm zur Seite stehen der Architekt Micky Damm, der Baukunst an der Akademie studiert hatte und gerade ein Kunststudium in der Kiecol-Klasse absolviert, sowie der Fotokünstler Sebastian Riemer. Sie wissen zwar noch nicht, was sie mit ihrem Schatz machen wollen, aber sie sind Feuer und Flamme.

Die Idee geht auf Odzuck aus, der schon 2007 in einem Foto mit den Kacheln aus der Kaufhof-Fassade im Photoshop spielte und sie verfremdete. Da sah er Ende 2014, wie die Fassade an der Graf-Adolf—Straße eingehüllt war. Schon vorher hatte er bei einem Abendessen mit seiner ehemaligen Professorin, der Rektorin Rita McBride, seine Bitte um Hilfe geäußert. Er liebt die Architektur der 1950er Jahre wie seine Professorin. McBride versprach, ihm zu helfen.

Odzuck telefonierte sechs Monate lang, bis er sich zu einem „Subsubunternehmer“ durchgekämpft hatte und die Erlaubnis zum Abtransport hatte. Als Teile des Schatzes jetzt vor der Kunstakademie lagen, atmete er auf.

Auch die letzte Hürde ist inzwischen genommen, denn er musste die 800 Kacheln bezahlen. Rita und der befreundete Micky Damm traten in Vorleistung. Schließlich wurde auch das Problem der Lagerung gelöst. 600 Kacheln wanderten in den ehemaligen Toom-Baumarkt auf der Oberbilker Allee, den Micky Damm u. a. mit seinem ehemaligen Professor Kalle Petzinka umbauen wird.

Es interessierten sich übrigens auch andere Architekten für die Kacheln. Sie wurden ihnen jeweils zu hundert Stück verkauft. Den Rest lässt der Investor einschmelzen.

Noch ist weder für Christian Odzuck noch für den Akademie-Absolventen Micky Damm klar, wie sie die Elemente verarbeiten. Odzuck wurde soeben von Kurator Kaspar König zum Skulpturen-Projekt Münster eingeladen, als Erster aus Düsseldorf. Die Schau in Münster ist berühmt. Vielleicht tauchen dort die Kacheln wieder auf.

Meistgelesen
Neueste Artikel
Zum Thema
Aus dem Ressort