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Die Düsseldorfer Volksbühne startet durch

Neues Programm der Publikums-Organisation : Ein Novum in der Volksbühne

Die Publikums-Organisation, einer der größten in Nordrhein-Westfalen, plant für den 14. November eine spektakuläre Auffführung im Rahmen von „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“.

(go) Mit einem Paukenschlag meldet sich die Volksbühne nach dem Corona-Stillstand zurück. „Wir leben noch und starten jetzt wieder richtig durch“, sagt Peter Haseley, neben dem Vorsitzenden Werner Sesterhenn und Jörg Bickenbach einer von drei ehrenamtlichen Vorständen dieser drittgrößten Publikums-Organisation in NRW. Verheißungsvolle Signale des Aufblühens gab es schon seit Juli. Nachdem das neue Spielzeit-Heft erschienen war, wurden für die laufende Saison über 6000 Karten verkauft.

Was die Düsseldorfer jedoch am 14. November erwartet, ist ein Novum in der fast 100-jährigen Geschichte der Volksbühne. Bei der Sonntags-Matinee „Erlaubst du wohl, dir ein Geschichtchen zu erzählen“ werden im Schauspielhaus jüdische Lebenswege auf deutschen Bühnen beleuchtet. Das literarisch-musikalische Programm fügt sich in die Feierlichkeiten rund um „1700 Jahre jüdisches Leben in Deutschland“ ein.

Volksbühne will ein Zeichen für
 Juden in Deutschland setzen

Das Besondere: Neun Volksbühnen in Deutschland haben die Veranstaltung gemeinschaftlich geplant und organisiert. Spielorte sind die jeweiligen Städte, darunter „Kultur am Rhein“ in Düsseldorf. „Eine Kraftanstrengung und Herzensangelegenheit, die für uns enorme Bedeutung hat“, so Werner Sesterhenn. „Wir geben damit ein Bekenntnis ab und setzen ein Zeichen. Juden in Deutschland sollen sich frei und sicher fühlen.“ Für Jörg Bickenbach zeigt das Projekt den Anspruch, sich nicht nur auf den Kartenverkauf zu beschränken: „Wir kümmern uns um das kulturelle Leben in Düsseldorf und haben vor, dies künftig noch mit weiteren Aktivitäten zu verstärken.“

Den literarischen Part in „Erlaubst du wohl, dir ein Geschichtchen zu erzählen“ gestalten die Schauspieler Gesine Cukrowski und Christian Brückner, Deutschlands bekanntester Synchronsprecher, bei dessen vertrauter Stimme fast jeder aufhorcht. Die Protagonisten für jüdische Lebenswege sind der Regisseur Fritz Kortner und die legendäre Schauspielerin Elisabeth Bergner. Sie stehen für Menschen, die mit Mut, Humor, Klugheit und Talent die deutsche Kulturlandschaft nachhaltig geprägt haben.

Es musiziert das Jewish Chamber Orchestra München mit dem Solisten Wen-Sinn Yang. Der Kölner Medienwissenschaftler Peter W. Marx hat das Projekt begleitet und betreut, die dramaturgische Umsetzung verantwortet Martin Mühleis, künstlerischer Leiter des Stuttgarter sagas.ensembles.

Für die Volksbühne passt dieser Meilenstein zum optimistischen Blick nach vorn. Schwere Zeiten mussten gemeistert werden. Den Mitgliedern konnte man über viele Monate keine kulturellen Angebote machen. Der Umsatzverlust betrug bei den Karten rund 100 000 Euro. „Wir wollen aber nicht jammern“, betont Werner Sesterhenn. „Es gab trotz allem nur wenige Austritte und eine große Solidarität. 45 000 Euro wurden gespendet, damit konnten wir neun freie Theater glücklich machen. Auch erfreulich: Seit dem 1. August haben wir 80 Neuzugänge verzeichnet.“

Volksbühne will Mitgliederschwund aufhalten

Der Vorsitzende verschweigt aber nicht, dass es seit Jahren einen kontinuierlichen Schwund an Mitgliedern gibt. Bis 2019 waren 10 000 gelistet, heute sind es nur noch 8000. Der Hauptgrund ist das Alter, die stärkste Besuchergruppe liegt deutlich jenseits von 50 oder 60 Jahren. Um einem weiteren Abwandern zu begegnen, wurden einige Modalitäten verändert. Bisher mussten für acht Euro Beitrag zehn Karten pro Spielzeit in automatischer Zuteilung gebucht werden. Diese Möglichkeit besteht immer noch. Zusätzlich gibt es jetzt das „Selbstläufer“-Angebot (30 Euro für 2 Personen pro Spielzeit), bei dem Veranstaltungen nach Wunsch und Bedarf bestellt werden können. „Die Generation der 30- bis 50jährigen bindet sich ungern“, sagt Jörg Bickenbach, „darauf haben wir reagiert.“

Noch ist das Spielzeit-Heft viel dünner als vor Corona, die Zahl der Spielstätten von 70 auf 29 geschrumpft, die der Veranstaltungen von 1400 auf 490. Aber das Spektrum von Oper, Schauspiel, Kleinkunst, Boulevard, Comedy, Konzerten für Klassik und Pop, Tanz und Lesungen ist erfreulich breit. Das große Ziel der Volksbühne sind wieder steigende Mitgliederzahlen. Marketing-Aktionen und Firmenansprachen sollen ihr dabei helfen.