Diane Reeves: „Musik ist immer Ausdruck der Gesellschaft und der Zeit“

Interview : „Musik ist immer Ausdruck der Gesellschaft und der Zeit“

Interview Dianne Reeves kommt in die Tonhalle. Sie verrät uns unter anderem welche Sänger sie beeinflusst haben.

Dianne Reeves gehört zu den großen Stimmen im Jazz. Die mehrfache Grammy-Preisträgerin gastiert am 6. Mai in der Tonhalle. Vorab sprach sie mit uns über Jazz als Tradition und politisches Statement; außerdem verriet Dianne Reeves, welche Künstlerinnen sie beeinflusst haben.

2013 ist Ihr letztes Studioalbum „Beautiful Life“ erschienen. In Kürze werden Sie in der Tonhalle gastieren. Was wird das Publikum erwarten?

Dianne Reeves: Ein neues Studioalbum wird es tatsächlich erst im kommenden Jahr geben. Wir arbeiten derzeit schon an neuem Material und etwas davon wird auch live zu hören sein. Allzu viel möchte ich noch gar nicht verraten. Aber ich bin schon sehr aufgeregt.

Ihre Musik ist von verschiedenen Stilen beeinflusst. Was bedeutet Ihnen die Jazztradition?

Reeves: Tradition ist wichtig, aber sie kann nur lebendig bleiben, wenn sie sich weiterentwickelt. Ein wichtiges Element ist für mich aber auch der eigene Stil, den man über die Jahre ausarbeitet.

Es gab eine Zeit, da war Jazz ein politisches Bekenntnis. Wie sehen Sie den Stellenwert des Genres heute?

Reeves: Ich bin überzeugt, dass Musik generell immer ein Ausdruck der Gesellschaft und der Zeit ist, in der sie entsteht. Jazz macht da keine Ausnahme, im Gegenteil, ich denke, gerade der Jazz reflektiert das. Es gibt so viele einzigartige Künstler, die ihre Musik auch als Statement verstehen.

Wann war der Moment, in dem Ihnen klar wurde, ich werde Sängerin?

Reeves: Da war ich wohl etwa zwölf Jahre alt. Damals habe ich mit mir selbst eine Vereinbarung getroffen, dass ich Sängerin werden würde und damit war auch beschlossen, was ich für den Rest meines Lebens tun würde.

Gibt es Sängerinnen, die Sie beeinflusst haben?

Reeves: Aber sicher. Die Zeit selbst hat mich damals schon stark beeinflusst. Es waren die 60er, 70er Jahre. In Amerika passierte damals so viel. Die Gesellschaft war im Umbruch. Die Black-Power-Bewegung, die Frauenrechtsbewegung, Civil-Reights-Movement. Jeder Musiker war da irgendwie dran beteiligt. Die Jazzmusiker genauso wie die Motown-Künstler. Aretha Franklin, Nina Simone, Joni Mitchell, um nur einige zu nennen. Sie waren so klar und stark in ihrer Art Musik zu machen. Das war eine großartige Zeit, um Sängerin zu sein und all diese Frauen waren für mich eine große Inspiration.

Wenn Sie die Musikindustrie heute sehen, was würden Sie ändern, wenn Sie könnten?

Reeves: Das ist eine gute Frage. Ich glaube, dass die jungen Leute heute nicht immer bereit für dieses Spiel sind. Andererseits haben sie heute eine ganz andere fast schon intime Beziehung zu ihrem Publikum über die sozialen Netzwerke, als die Künstler, die vor 30 oder 40 Jahren angefangen haben.

Sie sind mehrfache Grammy-Preisträgerin. Sind solche Auszeichnungen ein Ansporn oder bedeuten sie vielmehr nicht auch Druck für einen Künstler?

Reeves: Es ist schon beides. Es gibt so viele Künstler, die unglaublich gut sind und keinen Grammy gewinnen. Andere bekommen sie sehr früh und setzen sich selbst unter Druck. Wenn wir ehrlich sind, das was zählt, ist die Musik, die wir alle machen und ob sie dem Publikum gefällt. Das Leben geht auch ohne Preise weiter.

Dianne Reeves gastiert am 6. Mai in der Tonhalle. Beginn: 20 Uhr.

heinersdorff-konzerte.de

Mehr von Westdeutsche Zeitung