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Detlef Knut war Hochseefischer und nun Autor und Verleger

Detlef Knut war Hochseefischer und nun Autor und Verleger

Erst war Detlef Knut Hochseefischer, dann Computerexperte und nun etabliert sich der 57-Jährige als Autor und Verleger.

Düsseldorf. Seine eigene Geschichte hört sich an wie ein Romanstoff: Wilde Träume haben den Hochseefischer Detlef Knut auf den Weltmeeren gequält und ihn zum Schreiben gebracht. Kein Wunder, vor Mauretanien etwa wurde er von Piraten gekidnappt und verschleppt. In Tagebüchern hat der junge Mann aus einem Dorf nahe Schwerin das festgehalten — und die Seefahrerei bald hinter sich gelassen.

Jahrzehnte später — inzwischen als Journalist und Computerexperte in Oberkassel verankert — hat sich der heute 57-Jährige die Aufzeichnungen wieder angesehen und gedacht, daraus muss ich was machen. Doch schon bald ging es ihm nicht mehr nur um die eigenen Storys. Vor drei Jahren hat Knut die Edition Oberkassel gegründet. Unter diesem Verlags-Namen veröffentlicht er Bücher, Anthologien und bietet in einer Akademie Schreibkurse für junge Autoren an. Zu seinen Dozenten zählen zum Beispiel die Düsseldorfer Schriftsteller Horst Eckert, Gina Mayer und Martin Conrath.

Hört man Knut in seinem Lieblings-Café in Oberkassel erzählen, dann kommt er trotz seiner mehr als 20 Jahre in Düsseldorf noch immer norddeutsch rüber. Nicht mit rheinischem Überschwang sondern eher abwartend, ein bisschen kühl hört er sich die Fragen an und antwortet nüchtern und selbstkritisch. „Ich habe dreieinhalb Jahre durchgehalten. Das ist ein hartes Geschäft.“ Eine Nische für Autoren, die für lesenswerte, aber bislang kaum beachtete Texte stehen, habe er anfangs geboten. Heute weiß er: „Bücher werden nur wegen des Namens gekauft.“ Daher muss jeder, der in seiner Edition veröffentlichen will, auch einiges tun, um sich bekannt zu machen. „Ich arbeite in Richtung Buchhandel und der Autor muss in Richtung Leser arbeiten.“ Trommeln in eigener Sache. Wer nur sein Manuskript abgeben und berühmt werden wolle, der sei bei ihm an der falschen Adresse.

Er nennt es die Marketingbrille, die er als Verleger trage. „Ich überlege, wie kann ich einen Titel platzieren, wie den Buchhändlern verkaufen?“ In sein Programm fallen Reiseberichte, Abenteuerromane, Krimis und Texte aus Wettbewerben, die er regelmäßig auslobt. „Dabei versuche ich, renommierte Namen als Zugpferde mit in die Bücher zu nehmen.“

Finanzierbar sei das alles nur, weil sich die technischen Möglichkeiten in den vergangenen Jahren enorm verändert haben. Der Computerexperte weiß, wie er das Internet nutzen kann, wie er Werbung in den sozialen Netzwerken platziert. Längst sitzt Knut daheim nicht mehr zwischen Bücherstapeln. „Ich lasse so ziemlich der Nachfrage entsprechend drucken.“ Und die erfährt er bei seinen zahlreichen Besuchen bei den Buchhändlern, denen er sein Verlagsprogramm persönlich vorstellt.

Knut trifft sich gerne im Café bei sich um die Ecke und spricht über sein Geschäft. Eigentlich. Lieber hätte er selbst entsprechende Räume für seinen Verlag. Und das klingt bei ihm schon fast kühn. Schnell schiebt er hinterher: „Ich möchte stetig weiterwachsen wie bisher.“