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Ausstellung: Der Maler, der sich der Farbe verschrieb

Ausstellung : Der Maler, der sich der Farbe verschrieb

Walter Ophey war einer der wichtigsten Maler im Rheinland. Heute ist er fast vergessen. Der Kunstpalast widmet ihm nun eine Schau.

Walter Ophey (1882-1930) zählte zu den bekanntesten Malern der rheinischen Moderne. Zusammen mit Künstler-Kollegen wie August Macke wollte er nach der Jahrhundertwende im Rheinland eine avantgardistische Kunst etablieren, inspiriert etwa von den französischen Impressionisten wie Claude Monet. Heute ist Ophey fast vergessen. Ausgerechnet die rheinischen Kunstinstitutionen präsentieren kaum Werke von ihm, die Kunsthistoriker scheinen sich nicht für ihn zu interessieren. Dabei ist der Fundus in seiner einstigen Wirkungsstätte Düsseldorf riesig.

Foto: Kunstpalast

Der Kunstpalast besitzt die umfangreichste Sammlung seiner Werke: 170 Gemälde und über 3000 Papierarbeiten. Die letzte große Überblicksschau zu Ophey fand hier statt. Das war 1991. Nun folgt endlich wieder eine: „Farbe bekennen!“ nennt sie sich. Ein doppeldeutiger Titel. Zum einen präsentiert sie einen Maler, der Zeit seines Lebens mit Farben experimentierte. Manchmal verzichtet er auf Farben und macht das Weiß zum Hauptakteur des Bildes, mal kreiert er knallig bunte Farblandschaften. Zum anderen bekennt der Kunstpalast Farbe: Die Schau soll helfen, Ophey wiederzuentdecken.

Foto: Kunstpalast

Die Schaffensphasen von Ophey sind in Farbräume gegliedert

Foto: Kunstpalast

Die Kuratoren Gunda Luyken und Daniel Cremer setzen den Titel konsequent um: Sie lassen Farben sprechen. Der gesamte Ausstellungstrakt ist mit einem bunten Teppich versehen, eine Referenz an den Maler. 120 Werke sind in einzelne Schaffensphasen gegliedert, werden durch Farbräume dargestellt. Der Besucher folgt also einer Biografie in Farben. Am Anfang widmet sich Ophey Naturlandschaften im Stil der Hellmalerei. Also nicht „realistisch“. Vielmehr malt er seine Bilder so hell, dass sie zu verblassen scheinen. Zum Beispiel sein Ölgemälde „Am Mittelmeer - Dekorative Landschaft“. Es zeigt den Blick vom Klippenstädtchen Positano auf die süditalienische Amalfiküste. Ufer, Bäume, Meer und Himmel löst Ophey mit gelben, grünen, blauen und weißen Pinseltupfern auf. Extreme Gegenwelt dann nach dem Ersten Weltkrieg: Nun interessiert sich der Maler für Industriegeräte, Dörfer und Städte. Auch sie stellt er nicht wirklichkeitsgetreu dar, sondern lässt sie aus den Formen tanzen. So im Ölgemälde „Rathaus im Sauerland“: Vor pinkem Himmel und roten Bergen erstreckt sich das blaue Amtsgebäude mit etlichen Turmspitzen. Es kippt nach allen Seiten. Eine Szenerie wie aus einer Märchenwelt. Bunt, ausladend, kraftvoll.

Natürliche oder gebaute Landschaften ziehen sich wie ein roter Faden durch das Werk von Ophey. Er wollte oft ein und dasselbe Motiv in unterschiedlichen Farben darstellen, das ging in der freien Natur am besten. Doch es tauchen auch Bilder auf, die merkwürdig anmuten. Da baumelt etwa eine braune Puppe vor grünem Grund. Die Augen glubschen heraus. Wurde sie erhängt? Figuren wie aus einem Gruselkabinett. Als Vorlage dienen Ophey volkstümliche Skulpturen, mittelalterliche Madonnen oder die Kunst psychisch Kranker. Er erhebt sie zu Hauptakteuren von grotesken Stillleben. Vielleicht lädt Ophey aber auch seine eigenen Alpträume auf die Leinwand. Zu jener Zeit, in der Mitte der 1920er Jahre, stirbt nämlich sein Sohn an einer Hirnhautentzündung. Daraufhin stürzt er in tiefe Depressionen.

Ophey erweist sich aber auch als innovativer Zeichner. Etwa im Lazarett in Culm (Polen), wo er als Soldat im Ersten Weltkrieg nach schwerer Erkrankung landet. Mit Kreide hält er die verwundeten Kameraden beim Lesen oder Kartenspielen fest. Allerdings nicht in ihrer Tristesse, sondern farbenfroh. Reduziert auf rote, gelbe und blaue Linien. Das ist ungewöhnlich: Bis dato setzten Künstler Pastellkreide nur für malerische Effekte ein, nicht für Konturen. Eine sehenswerte Schau über einen Künstler, der seinesgleichen sucht.