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der "Kunstkiosk" von Vera Vorneweg in Oberbilk

Neuer Treffpunkt in Oberbilk : Premiere für den „Kunstkiosk“

Autorin Vera Vorneweg will Sprache an Orte bringen, wo man sie nicht vermutet.

(go) Am Freitag wird die Düsseldorfer Autorin Vera Vorneweg ihren Aufenthalt im Künstlerdorf Schöppingen unterbrechen. Für einen Abend in „Skottis Bar“ in Oberbilk, den sie als Experiment bezeichnet. Dort erwartet sie mit Spannung eine von ihr initiierte literarische Premiere. „Kunstkiosk“ hat sie ihr der konkreten Poesie gewidmetes Projekt benannt, das vom Kulturamt der Stadt gefördert wurde. Erster Gast der Reihe ist die Autorin Safiye Can aus Offenbach. Sie schreibt Lyrik und Prosa, wurde mit namhaften Literaturpreisen ausgezeichnet, war Gastdozentin für Konkrete Poesie an der Bauhaus-Universität Weimar, der Universität Kassel und der Northern Arizona University in den USA.

Wie kam Vorneweg auf diese Idee? „Durch meine im Vorjahr begonnenen Arbeiten im öffentlichen Raum“, antwortet sie: „Sprache dort zu manifestieren, wo man sie nicht vermutet.“ Dieser Gedanke flammte bei ihr während des Lockdowns auf, als mehr und mehr digitale Formate lanciert wurden: „Ich wollte etwas dagegensetzen und Literatur unmittelbar erlebbar und erfahrbar machen. Es geht ja immer darum, wo man als Schriftstellerin seine Nische im Schreibkosmos findet.“

Ihr erster gelungener Versuch, den Rollladen der Kneipe „Zum Blauen Bock“ in Eller mit Texten zu schmücken, inspirierte sie zu einem weit größeren Projekt. Wenige Tage nach Ausbruch des Ukraine-Krieges begann Vorneweg, den Roman „Die Waffen nieder“ von Bertha von Suttner auf einen Wellblech-Container am Rheinufer zu schreiben. Sie schaffte 35 Seiten, bevor sie am 1. April nach Schöppingen reiste, wo sie bis Ende Juni dank eines Residenz-Stipendiums arbeiten darf. „Danach werde ich weitermachen“, hat sie sich vorgenommen, „so lange, bis ich den gesamten Roman vollendet habe.“ In der inspirierenden Atmosphäre des westfälischen Künstlerdorfs fand sie zum eigenen Schreiben zurück. „Der Ukraine-Krieg hatte mir buchstäblich die Worte geraubt“, sagt die Mutter zweier Söhne. Ihre Familie nahm zwei Frauen und zwei Kinder aus der Ukraine auf: „Durch die physische Nähe zum Krieg konnten sich wochenlang keine poetischen Gedanken entfalten.“

Auf der Suche nach Möglichkeiten, in einem überraschenden Umfeld Literatur zu bieten, entdeckte sie „Skottis Bar“. 24 Stunden geöffnet, ist sie für Stammgäste, darunter überwiegend männliche, so etwas wie ein zweites Wohnzimmer. Dort einen Platz für Poesie zu schaffen, sei überaus reizvoll, sagt Vorneweg.

Kunstkiosk, Freitag, 13. Mai, 19 Uhr, Markenstraße 1, Eintritt frei