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Der Auflauf der Internet-Stars bei der Webvideopreisverleihung

Der Auflauf der Internet-Stars bei der Webvideopreisverleihung

Die Idole von Youtube haben viele Fans. Am Samstag trafen sie sich in der Tonhalle.

Düsseldorf. Dichtes Gedränge vor der Tonhalle: Hunderte Teenager drängen sich auf der Treppe, die am Joseph-Beuys-Ufer ins Grüne Gewölbe führt, auch auf dem Bürgersteig ist ein Durchkommen nur schwer möglich. Kameras sind gezückt, Unterschriften—Bücher werden bereit gehalten.

Nur, wo sind die Promis? An der Tonhalle kommt am Samstag eine Szene zusammen, die ihr Zuhause im Internet hat, den Weg in die breite Öffentlichkeit aber mehr und mehr sucht. Dort treffen Youtube-Stars auf ihre Fans. Am gleichen Abend wird im Savoy-Theater der zweite Webvideopreis in Deutschland verliehen (Preisträger im Kasten).

Egal, ob Flying Uwe, Y-Titty, Simon Desue oder Tugay Beatbox — sie alle sind jung und erfolgreich. Jeder hat seinen eigenen Youtube-Kanal, hunderttausende Abonnenten und unzählige Fans. Der eine zeigt Kung-Fu (Flying Uwe), andere parodieren Kinofilme und Musikvideos (Y-Titty) und wieder andere kombinieren Comedy mit Beatbox (Tugay Beatbox).

Am Samstag sind sie alle zum Greifen nah, von Star-Allüren keine Spur. Keiner der Filmemacher ist mit Sicherheitspersonal oder Manager gekommen. Das Bad in der Menge scheinen sie zu genießen. Gut für Michelle Döpke (15), die mit ihrer Mutter drei Stunden Fahrt aus Bremen auf sich genommen hat, um die drei Jungs von Y-Titty zu treffen. „Eine Umarmung, ein Foto und ein Autogramm von jedem — dann hätte sich die Fahrt gelohnt“, sagt Michelle.

Mit diesem Wunsch ist sie nicht alleine: Der Y-Titty-Youtube-Kanal zählt gut 415 000 Abonnenten, ihre Videos wurden fast 14 Millionen Mal geklickt. Entsprechend groß ist die Menschentraube, die sich um die drei Anfang-20-Jährigen sammelt. Wen man auch fragt, jeder will Y-Titty hautnah erleben.

Flying Uwe alias Uwe Schüder zählt zwar nur gut huntertausend Abonnenten bei Youtube, kann ohne Edding aber schon lange nicht mehr aus dem Haus gehen. „Ans Unterschriftengeben gewöhnt man sich schnell. Es ist zwar immer noch merkwürdig, aber auch eine geile Bestätigung“, sagt der 25-Jährige, der sich seine Popularität durch Videoclips über Kung-Fu und Fitness aufgebaut hat.

Und dennoch — die Webvideo-Szene ist noch immer ein Nischenbereich. Allerdings einer, der sich anscheinend nach und nach emanzipiert. „Viele Youtube-Stars haben ja schon mehr Zuschauer als Thomas Gottschalk. Abwarten, wie das in fünf Jahren aussieht“, sagt Markus Hündgen vom Veranstalter, der European Web Video Academy. Die wurde Ende 2011 gegründet und hat ihren Sitz seit kurzem in Düsseldorf. Dadurch soll die Stadt zum Zentrum der Szene werden.