Dave Matthews Band in Düsseldorf: Jazz, Rock und viel Improvisation

Dave Matthews Band in Düsseldorf : Jazz und Rock und jede Menge Improvisation

Die Dave Matthews Band in Düsseldorf: ein schillerndes Spektakel aus flippigen Beats, vielfältigen Lichteffekten und einer familiären Atmosphäre trafen auf Jamrock und Instrumentalsoli.

Bei so viel Jam war eine Vorband wohl nicht notwendig. Die US Amerikanische Dave Matthews Band um den gleichnamigen Frontsänger startete sogleich mitten im Programm und spielte in familiärer Atmosphäre knapp drei Stunden in der gut gefüllten Halle an der Siegburger Straße. Dabei boten die sieben Musiker eine abwechslungsreiche Mischung aus ihren Best-off Hits und ihrem neuen, 2018 erschienenen Album „Come Tomorrrow“. Eingebettet in ein Potpourri aus Jazz, Jamrock und Rock und wagte die Band, die sich 1991 gründete, zusätzlich den für sie typischen Sprung zur Improvisation. Musikjongleure, die mit ihren minutenlangen Soli jedes einzelne Bandmitglied und Instrument in das Zentrum der Aufmerksamkeit lenkten.

Die Liebe zur Musik ist es, die die Live-Besetzung um Frontsänger Dave Matthews, Carter Beauford (Schlagzeug), Stefan Lessard (Bass), Tim Reynolds (Gitarrist), Jeff Coffin (Saxophon), Rashwan Ross (Trompete) und Neuzugang Buddy Strong (Keyboard) verbindet. „Always good vibes“ (Allzeit gute Stimmung) prangte auf dessen T-Shirt und beschrieb die Stimmung treffend.

35 Millionen Studioalben verkaufte die Dave Matthews Band bislang in den USA – der große Durchbruch in Europa ist bisher jedoch ausgeblieben. So auch in Deutschland. Ein Wunder und ein Rätsel zugleich, denn mit einem Mangel des musikalischen Könnens dürfte der ausgebliebene Durchbruch nicht zu begründen sein. Mit ihren abwechslungsreichen Pattern (Melodieabfolge), differenzierten Tempi und einer Abkehr aus dem gängigen 4/4-Takt, füllt die Band in den USA normalerweise Fußballstadien mit 25 000 Menschen. In Düsseldorf reichte es immerhin für eine zu zwei Drittel gefüllte Halle mit textsicheren Fans.

Unter diesen waren auch viele langjährige zu finden. Fans wie Leah Zorrilla aus North Carolina. Eigentlich war sie auf dem Weg nach Helsinki – doch als sie hörte, dass die Dave Matthews Band in Düsseldorf spiele, legte sie einen Zwischenstopp in Deutschland ein. 1995 besuchte die US-Amerikanerin ihr erstes Konzert der Band. Seither war Zorrilla auf nahezu 100 Konzerten. Denn: „Durch das viele Improvisieren ist jede Show anders.“ Die Freude und den Enthusiasmus sei der Band über die Jahre nicht verloren gegangen.

So gut das musikalische Können ist und so gut sich die Instrumente der sieben Bandmitglieder ineinander einfügen, bei der Anmoderation der Lieder durch Dave Matthews haperte es ein bisschen. Denn er ist Künstler, kein Entertainer und wirkte etwas befangen.  Daran kann man sich stören, muss man aber nicht. Für letzteres entschied sich das Publikum, dem sich neben der Musik auch eine sich stetig wandelnde Lichtershow und visuelle Leinwandeffekte bot.

Das vergangene Jahr brachte dabei eine einschneidende Veränderung für die Band und ihre Fans mit sich: Missbrauchsvorwürfe um Butch Taylor, langjähriger E-Violinist der Dave Matthews Band, gerieten in die Schlagzeilen. Die Vorwürfe waren so schwerwiegend, dass die Band ihn daraufhin kuzerhand rausschmiss und in dem einen Monat später erscheinenden Album „Come Tomorrow“ (2018) die E-Violine durch verschiedene Session Musiker ersetzte.

Nun ohne E-Violine, aber dafür mit Keyboard gab die Band während ihrer Deutschlandtour bereits zwei Konzerte, zuletzt in München und nun in Düsseldorf. Zwei weitere Deutschlandauftritte mit viel Jam, Rock und Improvisationssoli sind im März für Hamburg und Berlin geplant.