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Das Duziduziduzi des Führers

Das Duziduziduzi des Führers

Gerhard Polt begeistert im Kom(m)ödchen mit seinem Solo-Programm.

Düsseldorf. Was wäre ein Autokauf ohne das Schwelgen in Zusatzfunktionen: Security Attention Assist, Park Distance Control, Surpassing Avoid System - dem englischen Wahnwitz sind keine Grenzen gesetzt.

Farbe bekommt die pseudoweltläufige Worthuberei allerdings erst, wenn Gerhard Polt sie durch seine bajuwarische Idiommangel dreht. Ganz ruhig legt er als V8-Turbo-Jünger ein Gelübde auf den Fetischismus der PKW-Add-ons ab, nicht ohne seiner Frau vorzuwerfen, dass sie die "innere Fußgängerin" nicht ablegen kann.

"I sag’s wie es is" - das ist die psychologische Leitplanke von Gerhart Polts Figurenarsenal. Ob Autokäufer, Kriegsveteran oder Familienvater, sie alle reden frisch von der Leber weg und finden sich plötzlich mitten im guten Volksempfinden wieder. Zweifel hegen Polts Figuren nie, sie wissen sich grundsätzlich im Recht. Doch je weiter die Pandorabüchse des Gutgemeinten aufgeht, umso bedrohlicher wird es.

Da galoppiert der Bürgermeister des Kurortes "Badhausen" verbal quer über das Feld der Touristenattraktionen, erwählt die "Führerspitze" und die Jochbein-Reliquie der Ortsbegründerin Algunda, die im Alter von neun Jahren einen 72-Jährigen ehelichte, und endet beim unschlagbaren "Standortvorteil": "Das nächste Asylantenheim ist 48 Kilometer entfernt".

Das Programm, mit dem der bayerische Kabarettist jetzt im Kom(m)ödchen auftrat, enthält sich weitgehend brachialer Aktualität. Bankenkrach, Koalitionskrise oder Päderasten-Skandal tauchen allenfalls subkutan auf.

Polt dekretiert nicht vom Katheder des besserwissenden Humoristen herab, sondern schlüpft in die Haut alltäglicher Harmlosigkeit und beweist dabei große schauspielerische Qualität. Der stoische V 8-Turbo-Jünger überzeugt genauso wie der herzinfarktgefährdete Familienvater, der angesichts zweier Schwarzarbeiter seines Schwiegersohns immer mehr im Treibsand der Zwangsarbeiterrhetorik versinkt.

Ans Surreale grenzt die weinerliche Hysterie eines Veterans, der als Zeitzeuge in Schulen auftritt und von einer frühen Begegnung mit Hitler berichtet: Er als Säugling, der spätere Führer auf dem Sprung an Ludendorffs Tisch in einer Gartenwirtschaft. Als Hitler am Kinderwagen vorbeigeht, fällt das historisch entscheidende Wort: "Duziduziduzi".

Polts Figuren gehen trotzdem nicht völlig in der Parodie auf, und das lässt den Zuschauer bei aller Komik immer wieder verstummen. Erst bei den Zugaben gibt der Kabarettist dem Affen richtig Zucker: Ein Chiemseeanrainer schwadroniert von einem Fischmassaker durch Kormorane, das nur durch drastische Einschränkung der Vogel-Überflugsrechte zu verhindern sei. Wir hoffen, dass Gerhard Polt bald wieder ins Kom(m)ödchen einfliegt.