Düsseldorfer Schauspielhaus: Claudia Schmitz: „Manches ist mit Geld nicht zu bezahlen“

Düsseldorfer Schauspielhaus: Claudia Schmitz: „Manches ist mit Geld nicht zu bezahlen“

Geschäftsführerin Claudia Schmitz hat im Schauspielhaus die Finanzen im Griff. Was ein Erlebnis wert ist, liegt für sie beim Betrachter.

Düsseldorf. „An Weihnachten brummt hier die Hütte.“ Theaterkarten sind ein beliebtes Geschenk, das weiß auch Claudia Schmitz, Geschäftsführerin im Schauspielhaus. Besonders in diesem Jahr, in dem das sanierungsbedürftige Theater und der neue Intendant Wilfried Schulz Stadtgespräch waren, rückt das Live-Erlebnis Theater in den Blick der Schenkenden. Gespielt wird an jedem Tag außer Heiligabend und Neujahr, Silvester gleich mehrmals mit anschließender Party. Schmitz hat Dienst.

Über Preise, Budgets und Auslastungen weiß die 1970 in Viersen geborene Volljuristin, zuletzt stellvertretende Intendantin in Braunschweig, eine Menge. Etwa, dass jede Theaterkarte mit rund 80 Euro subventioniert ist. Dass in Düsseldorf bislang Karten zum Preis zwischen 20 und 30 Euro fehlten und daher seit September die Tickets im Schauspiel 14, 24, 34, oder 44 Euro kosten.

Auf die Frage aber, was eine Theaterkarte wert ist, antwortet sie zögernd: „Manche Theaterabende sind mit Geld nicht zu bezahlen.“ Wie etwa dieser eine, der sie zum Schauspiel brachte: Mit dem Leistungskurs besuchte die Schülerin damals in Krefeld eine Aufführung von Harald Müllers „Das Totenfloß“. Danach habe sie gewusst: „Ich will zum Theater.“ Allerdings nicht als Schauspielerin oder Regisseurin, das habe sie sich nicht zugetraut, erinnert sich die unerschrocken wirkende Frau. Während ihre Kommilitonen nach dem Jura-Studium in Kanzleien oder Firmen Karriere machten, ging es für sie über Theater in Mannheim, Essen, Stuttgart, Göttingen und Braunschweig nach Düsseldorf ins Leitungsteam des neuen Intendanten.

Claudia Schmitz trägt einen Nasenring, läuft Marathon und fährt mit ihrem Mann in einem selbst zum Wohnmobil umgebauten Fiat Ducato in den Urlaub. In der Stadt ist sie mit dem Rad unterwegs, deshalb sieht man sie eher mit einem Helm unter dem Arm als mit einer Handtasche. Tagt die Intendanz, ist sie umgeben von Männern, die sich mit der Bühnenkunst beschäftigen. Sie trägt die Verantwortung fürs Geld und sagt, das fordere „viel dialektisches Denken und die Fähigkeit zu moderieren“.

Seit August leitet Schmitz zudem als Bauherrin die Sanierung des Theaters und sagt bestimmt „Wir dürfen aus diesem Projekt auf keinen Fall mit roten Zahlen rausgehen. Sowohl das Budget als auch der Zeitplan müssen jetzt eingehalten werden.“ Sie verhandelt mit Politikern und Investoren, Pläne werden verändert und Situationen angepasst. Immer wieder. In einem aber gibt es für sie keinen Spielraum: „Wir werden 2018 ins Schauspielhaus am Gustaf-Gründgens-Platz einziehen.“

Der Druck ist groß, das gibt sie zu. Daran ändern auch die aus ihrer Sicht erfreulichen Zuschauerzahlen nichts. Vielleicht hilft’s, dass sie sich im Rheinland heimisch fühlt. Nach 27 Jahren ist sie zurückgekommen. Ihre Eltern hat sie bereits eingeladen zu Vorstellungen in Düsseldorf und auch sie verschenkt Karten an Nachbarn und Bekannte, die sonst nicht unbedingt ins Theater gehen. Denn auf die Frage nach dem Wert einer Vorstellung ist ihr eines ebenso wichtig wie die Wirkung eines Stückes auf den Betrachter: „Das Schauspielhaus gehört allen, und daher müssen auch alle Zutritt haben.“

Mehr von Westdeutsche Zeitung