Christiane Reichert schmeißt das Düsseldorfer Theater an der Luegallee

Premiere : Erst der Bühnen-Mord, dann das Theater renovieren

Christiane Reichert (30) leitet nicht nur das Theater an der Luegallee und führt Regie, im neuen Miss-Marple-Stück spielt sie auch zwei Rollen. Und erledigt alles, was sonst noch in so einem Boulevard-Theater anfällt.

Ein Mord soll geschehen. In ihrem Haus. Das erfahren drei schrullige alte Tanten durch eine Annonce in der Zeitung. Die neugierige Anteilnahme der Nachbarn ist ihnen sicher. Gottlob nimmt sich Miss Marple des Falles an; aber auch sie kann nicht verhindern, dass nach einem Stromausfall die Leiche eines Mannes im Wohnzimmer liegt. Und dann wird auch noch Tante Dora vergiftet. Was soll Miss Marple davon halten? Süffig und spannend beginnt „Scherz beiseite“ – ein Krimiklassiker, der Donnerstag im Theater an der Luegallee zu erleben ist. Mit von der Partie: Christiane Reichert (30), die gleichzeitig Regie führt.

Seit 2013 tritt Reichert in dem kleinen Theater in Oberkassel auf und gehört seit 2018 zum Leitungsteam – neben Joachim Meurer, der seit 20 Jahren hier den Ton angibt. Die gebürtige Fränkin und Wahl-Rheinländerin hat sich nicht nur an mehreren Boulevard-Theatern einen Namen gemacht, sondern war auch lange auf diversen Musicalbühnen, wie im Capitol, zu sehen. Die offene, unkomplizierte und aparte Reichert ist als Theaterleiterin eine Allzweckwaffe und kann zupacken. „Ich spiele, führe Regie, renoviere das Theater, streiche die Wände, besorge Salzstangen und Getränke für unsere Zuschauer.“ Sie schmunzelt: „Und wenn’s mal knapp wird, dann putze ich auch.“

Mittlerweile kommen auch viele jüngere Leute in das Haus

Mindestens vier Premieren pro Saison stemmt das kleine Theater mit 75 Sitzplätzen, außerdem Sonderprogramme zu Weihnachten und Gastspiele von Kabarettisten und Comedians. Reichert freut sich, dass nicht nur reife, sondern mittlerweile auch jüngere Zuschauer ihr Theater entdeckt haben. „In unserer schnellen Welt von Internet und Home-Office empfinden viele unser Haus als einen Rückzugsort.“

Herrlich, dass es so etwas überhaupt noch gibt: Solche Sätze des Erstaunens höre sie häufiger, auch von jüngeren Oberkasslern, die zufällig ihr Theater betreten. Tatsächlich: Die Atmosphäre ist familiär. Behaglich, plüschig und kuschelig. Das spürt jeder. Hochglanz? Fehlanzeige. Schauspieler sitzen hier den Zuschauern in der ersten Reihe fast auf dem Schoß. Und das im schicken Stadtteil? Reichert: „Schick sind wir nicht, aber gemütlich!“ Man nimmt ihr das ab. Das klingt rheinisch echt.

Zurück zu Agatha Christies „Scherz beiseite“, in dem Reichert zwei Nebenrollen spielt – die ungarische Köchin und die Gärtnerin der Herrschaft. Zehn Rollen teilen sich fünf Schauspieler. Die Stimmung auf der Bühne ist wie in alten Schwarz-Weiß-Filmen, die auch für 30-Jährige noch Kultstatus haben. Die Hauptrolle, die Miss Marple, spielt Sylvia Schlunk – ein Urgestein, das seit mehr als 20 Jahren an der Luegallee auftritt. Für jede Schauspielerin jenseits der 50 sei die Rolle der Miss Marple, so Reichert, „ein Leckerbissen“. Auch für Frau Schlunk, über deren Alter man sich natürlich ausschweigt. Sind halt Bühnen-Künstlerinnen.

Der Reiz an dieser Figur: Eine nette, alte Dame, die unterschätzt wird. Die eigenwillige Miss (sie soll nicht ganz so schrullig sein wie im Film) hat messerscharfen Verstand, zieht ihre Schlüsse und überführt in einem Showdown den Mörder. Und der Inspektor? „Der sieht bei uns nicht ganz so blöd aus wie sonst in der legendären TV-Serie aus Good Old England.“ Man darf gespannt sein, wie das auf der kleinen Bühne rüberkommt…

„Miss Marple ermittelt: Scherz beiseite“. Ab 16. Mai, im Theater an der Luegallee. Karten 0211-57 22 22, Luegallee 4 / Ecke Burggrafenstraße

theaterluegallee.dee

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