Betörendes Spiel von Cellistin Sol Gabetta in der Tonhalle

Konzert : Betörendes Spiel von Cellistin Sol Gabetta in der Tonhalle

Unter der Leitung von Giovanni Antonini beschwor man Schumann und Beethoven auf höchstem Niveau.

Möchte man als Cellist mit virtuosen, wirkungsmächtigen Raffinessen auftrumpfen, so gibt es dafür bestens geeignete Kompositionen. Schumanns Cellokonzert in a-Moll op. 129 – in Düsseldorf komponiert im Jahr 1850 – gehört nicht dazu. Ist der Cellopart auch mit so mancher Herausforderung gespickt, so geschieht in diesem Seelenbild nichts des virtuosen Effektes wegen. Mit seinem Können auftrumpfen kann man hier nicht. Indes kann man Schiffbruch erleiden, wenn man Schumanns so spezielle Art zu schreiben nicht verinnerlicht hat. Aber wer mag schon sagen, wie das genau auszusehen hat?

Sol Gabetta ist inzwischen so etwas wie ein Stammgast in Düsseldorf. Begleitet vom Kammerorchester Basel unter der exquisiten Leitung von Giovanni Antonini braucht sie sich nicht als Virtuosin zu inszenieren. Ihre makellose Technik, die zu einer luftigen Leichtigkeit tendiert, lässt bei einem Blick auf ihre linke Hand erahnen, welche Kunststückchen Schumann verlangt – die kaum zu einem virtuosen Aha-Moment führen. Schumanns Cellokonzert beeindruckt durch seine um sich kreisende pure Poesie. Wie so oft beim späten Schumann drehen sich Gedanken um ihren imaginären Mittelpunkt, um eine innere Stimme. Plötzlich wird es hell und leuchtende Leidenschaft keimt kurz auf, um wieder in ein sanftes Erzählen zurückzufallen. Man möchte vor Rührung weinen! Einkreisen eines Gedankens und schließlich seine Befreiung – wie modern. Gabetta und das Kammerochester nähern sich Schumann mühelos, delikat. Wenngleich Gabetta auch das tragische Drama dieser Musik nicht übertüncht. Zum Glück. Leidenschaftlich ist ihr Spiel nur beim genaueren Hinhören, dann aber betörend, wie es sich gehört. Doch das passt zu Schumann und funktioniert, obwohl es auch durchaus legitime andere Zugangswege gibt.

Das Spiel der Basler, die sich stets an den historischen Rahmen der jeweiligen Werke anpassen, ist durchdrungen von schwungvollster Phrasierung und Freude am fast hörbaren musikalischen Funkenschlag. Wohl bedacht spielend mit kontrollierter Ektase. Dies zeigten sie mit einer in bester Tradition stehenden Interpretation von Beethovens 1. Sinfonie und auch bei ihrer Zugabe mit dem 4. Satz aus seiner „Achten“. Doch die Schumann-Ouvertüre zu Goethes „Hermann und Dorothea“ geriet ein kleines bisschen unschlüssig. Hier braucht es noch mehr die Reibungsfläche der Nebenstimmen und das durch feste Akzente bewusste kurze Stocken und Schwungholen für das ewige Kreisen um denselben Gedanken.

Jubel in der bestens gefüllten Tonhalle.

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