Bernd Rieser: „Wir würden über Heino nie einen billigen Witz machen“

Bernd Rieser: „Wir würden über Heino nie einen billigen Witz machen“

Bernd Rieser ist ein Kind der 70er, Heino war ihm damals viel zu spießig. Heute nutzt er ihn für die Bühne.

Düsseldorf. Herr Rieser, Schlagersänger Heino scheint es Ihnen wirklich angetan zu haben. Sie haben sogar seine Autobiografie „Und Sie lieben mich doch“ gelesen.

Rieser: Er ist für mich ein Faszinosum. Einer, der sich seit Urzeiten oben hält und sich nicht verbiegt. Und dann macht er so abgedrehte Sachen wie das Duett mit Nina Hagen oder die „Enzian“-Rapversion. Heino ist ein deutsches Phänomen.

Ihr Bühnenprogramm nennt sich „Caramba, Caracho, Orgasmus“ — machen Sie sich auf Heinos Kosten zusammen mit dem Publikum lustig?

Rieser: Wir würden über so jemanden wie ihn nie einen billigen Witz machen. Heino hat einen gesellschaftlichen Stellenwert und ist daher für uns interessant.

Und dazu gehört auch sein Liebesleben mit Hannelore?

Rieser: Wir verwenden auf der Bühne nur Originalzitate, entweder aus Heinos Autobiografie oder aus Zeitungen. Und es gibt zum Beispiel das Interview mit Heino und Hannelore, in dem sie erklären, wie oft sie in der Woche Sex haben und dass Viagra keine Rolle spielt.

Wer findet sich bei Ihnen eher wieder, der Heino-Fan oder der Heino-Hasser?

Rieser: Leute, die Spaß haben wollen. Wir machen keine Lobhudelei. Beim „Blauen Enzian“ zitieren wir aus einer kritischen Schlageranalyse, die dem Lied deutsche Schwiemeligkeit nachweist. So etwas kompostieren wir. Damit gibt es ein paar kritische Momente. Wir singen natürlich Lieder und in der Pause reichen wir original Heino-Haselnusstorte.

In welchem Verhältnis stehen Text und Musik?

Rieser: Ich würde sagen 70 zu 30. Wir haben zudem kleine Spielszenen, wie etwa den Fan, der Heino bei einem Konzertauftritt dauernd mit einer Taschenlampe anleuchtet.

Sind Sie mit Heino-Musik sozialisiert?

Rieser: Ich bin ja eher ein Kind der 70er mit Juliane Werding oder Christian Anders. Heino war mir immer zu deutsch, zu spießig. Aber es gab dieses Initial-Erlebnis. Ich hatte an meinem Geburtstag ein Gastspiel in Bad Münstereifel und bin mit meiner Kollegin in Heinos Café dort gegangen. Er saß am Nebentisch und spielte Schach. Da hat ihm meine Kollegin gesagt, dass ich Geburtstag habe. Er kam rüber und sang mir ein Ständchen. Das fand ich toll. Diese Art, total nett und unkompliziert.

Würde er denn Ihr Programm mögen?

Rieser: Heino versteht nur bedingt Humor. Ich bezweifele das.

Sie treten im Rahmenprogramm zum Eurovision Song Contest (ESC) auf. Was hat Heino damit zu tun?

Rieser: Er hat sich ja über Lena öffentlich beschwert, da sie nicht auf Deutsch singt. Wir haben jetzt eine Version von „Satellite“ im Programm, die komplett aus Heino-Zitaten seiner Lieder besteht.

Und Ihr persönliches Lieblingslied von Heino?

Rieser: Das stammt aus der Wanderbewegung. Heino singt zusammen mit Hannelore: „Halt dich fit, wander mit, das Leben ist schön.“

„Die unglaubliche Liebesgeschichte von Heino & Hannelore“ ist am Samstag, am 9. April, 6. Mai jeweils um 19.30 Uhr und am 7. Mai um 16 Uhr im Theatermuseum, Jägerhofstraße 1, zu sehen. Karten: Telefon 899-46 60

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