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Bellinis Belcanto mit Villazón in Düsseldorf

Oper : Bellinis Belcanto mit Villazón

Rolando Villazón inszeniert an der Deutschen Oper am Rhein Bellinis Oper „I puritani“. Am 18. Dezember ist am Opernhaus Düsseldorf Premiere. Doch was hat es eigentlich mit diesem Belcanto auf sich?

Am 18. Dezember feiert die Opera seria „I puritani“, die als ein besonders markantes Beispiel für Belcanto-Oper gelten soll, Premiere am Opernhaus Düsseldorf.

Opernstar Rolando Villazón, der seit 2011 immer wieder auch als Opernregisseur in Erscheinung tritt und dies auch erneut in Düsseldorf tut, beschrieb an einem launigen Abend in der Bar Sir Walter, an dem die Produktion an der Deutschen Oper am Rhein vorgestellt wurde, das Wesen von Belcanto-Opern nach der Manier Vincenzo Bellini mit gewissem Augenzwinkern wie folgt: „Belcanto heißt schön zu singen; und manchmal passiert nicht ganz so viel. In Belcanto-Opern, nicht nur bei Bellini, gibt es immer wieder diese Art von Szenen, in denen zwei Helden aufeinander treffen und ausrufen: Jetzt müssen wir kämpfen – aber erst singen wir ein bisschen. Und nachdem der eine zu Ende gesungen hat, sagt der andere: aber jetzt müssen wir wirklich kämpfen, aber zuvor muss ich auch noch singen.“

Ist diese kurze Analyse auch überspitzt, doch steckt darin, gerade, wenn es um Bellinis „I puritani“ geht, recht viel Wahrheit. Was nun Belcanto genau heißt, lässt sich auf unterschiedliche Weise definieren. Für viele steht der Begriff für italienische Oper an sich, oder für eine bestimmte kunstvolle Art des Operngesangs, für einen einerseits virtuosen andererseits mit besonders ausgefeiltem Ausdruck versehenen Gesang.

Ganze Bibliotheken lassen sich über Belcanto füllen; was für das Verständnis von Bellinis Musik aber unerlässlich ist, ist zu begreifen, dass es um eine absolute Fokussierung auf den Sänger geht, der mittels seiner Gesangskunst eine möglichst große Bandbreite an gesanglichem Ausdruck und damit transportierte Emotion über die Bühne bringen soll. Diese Bandbreite birgt in sich das gekonnte Spiel mit der Klangfarbe, mit der Lautstärke, mit der bewussten Weise eine melodische Linie zu phrasieren. Bei Bellini bisweilen eine unendliche Melodie, die über jede andere Deutungsebene hinaus ihren absoluten Tribut fordernd das tragende ästhetische Moment ist. Auch im Chor.

Hierzu braucht es gute Sänger und einen Regisseur, der weiß, was er bei den gesanglichen Herausforderungen an szenischer Aktion fordern kann und was nicht ratsam ist. Die Düsseldorfer Inszenierung verspricht beides: von Villazón, selbst Sänger, kann man kaum gegen die Musik gebürstete Regie-Experimente erwarten und Namen beispielsweise wie die begnadete Sopran Adela Zaharia (als Elvira), die ihr Rollendebüt gibt oder Tenor Ioan Hotea (Ernesto), der wie Zaharia den renommierten Operalia-Wettbewerb gewann, versprechen – so die Hoffnung –, Gesangskunst auf schönem Niveau.

Die eigentlich etwas triviale Liebesgeschichte, die vor einem Historienbild des englischen Bürgerkrieges zwischen den protestantischen Puritanern der Cromwell-Partei und königstreuen Katholiken spielt, ist fast wiederum selbst nur ein großes Bild, vor dem sich die gesanglichen Emotionen abspielen. Genauso wie die orchestrale Begleitung – diesmal mit den Duisburger Philharmonikern unter der Leitung von Antonino Fogliani – selbst ein großes Bild ist, auf dessen Hintergrund sich die Gesangskunst entfalten kann. Diese großen durch Gesang belebten Bilder mit Dramatik zu füllen, ist eine Herausforderung, wie Villazón selbst betont, der aber die Teamarbeit des gesamten Inszenierungs-Teams hervorhebt und die Mitarbeit der Sänger und Darsteller als so fruchtbar empfindet.

Das Bild (Bühne: Dieter Richter), vor dem es rein visuell Belcanto in seiner bisweilen lyrischsten und süßlich melancholischsten Form zu erleben gibt, wird so etwas wie eine Kirche oder ein Parlament sein, das sich laut dem Regisseur während der Oper wandeln soll. „Es gibt eine Metamorphose“, sagt Villazón, der übrigens schon „Don Pasquale“ an der Rheinoper inszeniert hatte. Wenn es um die Kostüme geht (Susanne Hubrich), verrät er: „Diese schöpfen aus der Idee der Cromwell-Zeit, aber auf einem Laufsteg von heute. Für uns war es wichtig, keinen Geschichtsunterricht zu geben.“ Für die gesamte Produktion gilt für Villazón, dass eine Inszenierung von heute, zu uns, den Menschen in 2019 sprechen muss – ein Allgemeinplatz vielleicht –, aber über allem stehe für ihn das Gefühl für die Essenz der Probleme von gestern und heute, in dessen Rahmen die Liebesgeschichte eingebettet ist.

Diese Geschichte in Kurzform: Puritanertochter Elvira liebt heimlich den Royalisten Arturo, wenngleich sie Riccardo versprochen ist. Es gelingt ihr, die Einwilligung ihres Vaters zu einer Heirat mit Arturo zu gewinnen. Doch jener rettet die Witwe des hingerichteten Königs. Elvira fühlt sich betrogen und wird wahnsinnig. Arturo wird in Abwesenheit zum Tode verurteilt. Am Ende kehrt jener zurück, Elvira wird wieder normal und im Geiste einer Deus ex machina wird Arturo schließlich begnadigt. Happy End.

Villazón und sein Team versprechen, die Geschichte „interessanter zu machen“, indes mit großem Respekt vor Bellini. Man darf gespannt sein.

Premiere, 18. Dezember, 19.30 Uhr, Opernhaus Düsseldorf. Weitere Aufführungen, am 20., 26., und 29. Dezember und im Januar. Karten und Infos unter:

operamrhein.de