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Bela B. und die Liebe zum Rock’n’ Roll

Bela B. und die Liebe zum Rock’n’ Roll

Der Schlagzeuger der Ärzte begeistert als Gitarrist seine Fans.

Düsseldorf. Das härteste Los in einer Band haben die Schlagzeuger: Sie sind dazu verdammt, in der letzten Reihe zu sitzen, während vor ihnen die Bandkollegen über die Bühne toben und sich anschmachten lassen. Wahrscheinlich steht Bela B. gerade deshalb in dieser erschütternd grauenhaften Abendgarderobe aus Gittermusterweste, Gittermusterhose und Gittermusterjackett am Mikrofon und singt und spielt Gitarre.

Er, der normalerweise Die Ärzte durch den Punk trommelt, holt solo im Zakk all das nach, was er sonst in der letzten Reihe verpasst. Auffallen um jeden Preis. Solo ist der Berliner nicht als Doktor, sondern ausschließlich als Bela B. unterwegs und hat nicht Farin und Rod dabei, sondern die Band Smokestack Lightnin’. Solo ist Bela B. Rockabilly und Country. Die Haartolle steht wie gemeißelt im Spotlicht. Die Hüften wackeln. Sängerin Peta Devlin stellt ihre turmhoch aufgesteckte Dolly-Parton-Gedächtnis-Frisur zur Schau. Die Fifties und Sixties sind zu Besuch im neuen Jahrtausend.

Ansonsten macht Bela B. zwar genau das, was er auch mit seinen Ärzten macht: Er singt Texte voller Comedy und Blödelei, die hartnäckig an der Grenze zum Blödsinn kratzen, diese aber nie einreißen - selbst wenn es um Spermaflecken auf der Rückbank oder um Vampire mit Colt geht. Nur ist all das eben einmal auf links gedreht. Auf Elvis, Stray Cats und Johnny Cash.

Der als Boogie-Woogie-Twist gespielte Ärzte-Klassiker „Manchmal haben Frauen“ würde sogar Menschen in Nashville zum Ausflippen bringen. Das Konzert bewegt sich zwei Stunden lang zwischen „Jailhouse Rock“, „Spiel’ mir das Lied vom Tod“, Bud Spencer und Terrence Hill.

Von der Energie, die Bela B. mit den Ärzten entfacht, ist all das Lichtjahre entfernt. Die Ärzte sind das große Popcorn-, Bela B. und Smokestack Lightnin’ das kleine Programmkino, das es nur noch gibt, weil die Filmliebhaber das so wollen. Doch genau darin steckt ja das Besondere dieses Bela B. auf Solo-Pfaden: Er verschreibt sich keinem Geschmack, den alle anderen auch haben.

Er pflegt konsequent seine schrullige Liebe zum Ursprung des Rock’n’Roll: zu Amerika und seiner Musik. Und die Leute - darunter viele Ärzte-Fans - lieben ihn dafür. Warum? Weil er normalerweise zwar als Schlagzeuger in der letzten Reihe sitzt. Aber nicht als irgendeiner: Bela B. ist der Oberschlagzeuger aller Schlagzeuger. Den muss man gern haben. Vor allem dann, wenn er endlich mal als Frontmannrampensau losgelassen wird.