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Begegnung: Ein Gemälde als Bühne für das Dichter-Wort

Begegnung: Ein Gemälde als Bühne für das Dichter-Wort

Im Heine-Haus vereinten das Duo Köhler und Huber Dichtkunst und Bildkunst.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Und alle, alle kamen, angefangen bei den an experimenteller Dichtkunst und Sprachphilosophie interessierten Lesern über Dichterinnen wie Ingrid Bachèr, Malerkollegen wie Ulrich Erben oder Ulrich Meister bis hin zu Beat Wismer, Generaldirektor des museum kunst palast, und dem Schweizer Generalkonsul. Der für die Pause einen grauen Burgunder und einen roten Merlot spendiert hatte. Am Ende war das Café in der Buchhandlung Müller & Böhm im Heine-Geburtshaus nahezu überfüllt. Barbara Köhler ("Tender Buttons/Zarte knöpft", "Wittgensteins Nichte", "Niemands Frau"), die Dichterin also, die nach alter Köhler-Sitte Wort-Scheit auf Scheit schichtet und, mit dem Risiko von Verbrennungen und Brandnarben, unter hoher Temperatur Veredlungsprozesse er- und verarbeitet, hat im vergangenen Jahr den Spycher Literaturpreis erhalten. Bei der Wahl des Laudators fiel ihr Blick auf den Schweizer Maler Thomas Huber, der in Düsseldorf studierte und in Neuss lebt. "Ich aber bin", sagte dieser, "kein Mann des Wortes, sondern des Bildes".

Nachdem er wusste, dass ein Porträt, eine Büste gar, geschweige denn ein Standbild nicht in Frage kam, entwickelte er mit Barbara Köhler gemeinsam zunächst Studien - sie sind jetzt als Aquarelle im Café zu bewundern -, danach das "Laudatio" genannte Gemälde. Es ist von fast surrealistischer Perfektion, gefüllt mit quälend hörbarem Schweigen.

Im Gemälde sind drei übermannshohe Buchstaben errichtet und bilden, je nach Lesart, die Wörter Ort, Rot, Tor. Mit erhobenen Armen steht ein lyrisches "Ich" da, während eine Sie abgewandt vor einem leeren Laptop sitzt, Block und Bleistift griffbereit. Ein faszinierendes Geheimnis geht von einem Bild im Bild aus, das auf den ersten Blick ein abschüssiges Fenster oder eine Bühne zu sein scheint - vielleicht ist es aber alles drei zusammen.

Im hinteren Bildraum entdeckt man eine Tür. Ein riesiger Schrank, hinter dem ebenso riesige Buchstaben stecken. Dem Duo Köhler & Huber ist alles zuzutrauen. Köhler, geboren 1959 in Burgstädt, hat schließlich auch einst textile Oberflächenbearbeitung gelernt. Und Altenpflege.