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Balletthaus soll im nächsten Jahr stehen

Balletthaus soll im nächsten Jahr stehen

Für 26 Millionen Euro entsteht ein Probenzentrum in Bilk. Gestern gab es erstmals die Pläne zu sehen.

Düsseldorf. Martin Schläpfer hatte es zur Bedingung gemacht: Wenn sich die Probensituation nicht ändert, wird er Düsseldorf verlassen. Der willensstarke Ballettdirektor und Chefchoreograf der Oper musste so weit gehen, denn unzureichende Bedingungen für seine Tänzer bedeuten zugleich unzureichende Bedingungen für seine Werke. Und dass er Mittelmaß nicht ertragen, geschweige denn erschaffen kann, macht ihn ja gerade zum Star der Kulturlandschaft in Düsseldorf und weit darüber hinaus.

Also bearbeiteten die Spitzen von CDU- und FDP-Ratsfraktion ihre Parteikollegen, um Schläpfer halten zu können. Der Oberbürgermeister durfte schließlich die kleine Sensation verkünden, Düsseldorf werde dem Künstler ein neues Ballettprobenhaus bauen lassen. Gestern wurden erstmals die Pläne für den Neubau in Bilk vorgestellt, der mit dem privaten Investor Hochtief als öffentlich-private Partnerschaft (ÖPP) verwirklicht wird.

Das Gebäude entsteht auf dem städtischen Grundstück am Steinberg nahe der Wagenbauhalle der Karnevalisten; Ateliers für Absolventen der Kunstakademie sind dort ebenfalls geplant. Der zweigeschossige Neubau beherbergt neben Studios und Ballettschule fünf Säle, die zwischen 270 und 190 Quadratmeter groß sind. Es gibt Ruheräume für Tänzer, Garderoben und Duschen sowie einen Medienraum, dessen Ausstattung unter anderem der Archivierung von Schläpfers Arbeit dient. Die Verwaltungsräume befinden sich im Erdgeschoss.

Die Außengestaltung des Neubaus ist schlicht, für die Fassade wurde Sichtbeton gewählt. „Wir bauen eine Kreativwerkstatt in abgespeckter Version“, erklärt Andrea Weibel-Fischer von Hochtief die architektonische Bescheidenheit. „Die beinhaltet keinen Luxus.“

Die Kosten für das Ballettprobenhaus betragen rund 26 Millionen Euro — Planungs-, Bau- und Betriebskosten für einen Zeitraum von 30 Jahren inklusive. Der Preis ist fix, Sonderklauseln, die der Stadt später zusätzliche Ausgaben bescheren könnten, gibt es nach Auskunft von Kulturdezernent Hans-Georg Lohe nicht. Energie- und Sachkostensteigerungen sind in den 26 Millionen enthalten.

„Mit dem Gebäude wollen wir sicherstellen, dass die Zuschauer weiterhin Tanzkunst auf hohem Niveau genießen können“, sagte Oberbürgermeister Dirk Elbers gestern. Schläpfer nannte die Entscheidung der Stadt, ein solchen Projekt durchzusetzen, „ein mutiges und visionäres Zeichen“.

Von diesem wird es allerdings erst in etwa einem Jahr etwas zu sehen geben. Ursprünglich sollte das Probenhaus bereits in diesem Sommer bezogen werden. Jedoch verzögerten Ausschreibung, Vertragsverhandlungen sowie die Diskussion um die Zusammenarbeit mit einem privaten Partner den Zeitplan.

SPD und Grüne hatten sich vehement dafür ausgesprochen, die Stadt solle das Balletthaus selbst bauen. Zu teuer, rechnete der Kämmerer vor; die Rathausmehrheit von CDU und FDP setzte das Konzept der öffentlich-privaten Partnerschaft durch.