Azubis bringen Maschinen zum Tanzen

Azubis bringen Maschinen zum Tanzen

Auf einem Fabrikgelände entsteht ein futuristisches Ballett der Gabelstapler.

Düsseldorf. In zahlreichen Hollywoodfilmen ist es dunkle Zukunftsmusik, wenn Computer und Maschinen die Macht übernehmen. Im Musiktheaterstück „Tanz der Maschinen“ zeigen Auszubildende und Schüler, dass es noch nicht so weit ist und verwandeln das Werksgelände der Demag-Cranes AG in Benrath in eine Bühne, Gabelstapler und Flugzeugpropeller in Instrumente. Das Theater Kontra-Punkt inszeniert in Zusammenarbeit mit den Jugendlichen das Stück für das Kulturfestival Altstadtherbst. Gestern trafen sich die Darsteller zu Proben auf dem Gelände.

Die aufwändige Aufführung gliedert sich in drei Stationen, an denen Azubis ihre selbst erarbeiteten Melodien und Tanzeinlagen mit Stahl und Elektronik zum Ausdruck bringen. Die Zuschauer werden im Laufe des Abends fast über das gesamte Gelände geführt. Letzte Station ist eine Halle, in der Kurzfilme von Schülern der Realschule Benrath zum Thema gezeigt werden.

Musikalisch wird das Spektakel von den Düsseldorfer Symphonikern — in Anlehnung an George Antheils „Ballet mécanique“ — live begleitet. Im Auftrag von Kontra-Punkt haben außerdem Frank Zabel und Hauke Berheide experimentelle Kompositionen beigesteuert.

So entstehen futuristische Tonwelten, wenn die Azubis etwa ein übergroßes, selbst gebautes Klangspiel aus Stahl mit den Trägern des Gabelstaplers streifen. Für den 23-jährigen Latif Polat ist das Neuland. „Ich habe noch nie an kulturellen Veranstaltungen teilgenommen“, sagt der angehende Konstruktionsmechaniker. Auch für Kollege Philipp Drücke (17) ist das ungewöhnlich. „Ich bin erst in der vierten Woche meiner Ausbildung und bin noch nie vor Publikum aufgetreten. Das fängt schon gut an“, sagt er. Regisseur Frank Schulz sieht darin den pädagogischen Nutzen. „Es handelt sich auch um ein soziokulturelles Projekt“, sagt er. Kultur würde an einen ungewöhnlichen Ort gebracht, „und zu Menschen, die sonst weniger damit zu tun haben“, sagt Schulz.

18 Auszubildende nehmen an dem Projekt teil, das in das technisch ausgefallene Programm des 21. Altstadtherbstes passt. Demag-Cranes ist Hauptsponsor des Festivals. „Schon 2010 hat die Zusammenarbeit gut geklappt“, sagt Festival-Leiterin Christiane Oxenfort. Für die Fabrikarbeiter ist das Stück eine Abwechslung. „Die Freikarten waren nach drei Tagen vergriffen“, sagt Firmensprecher Nikolai Juchen.

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