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Ausstellung: Klaus Dinger, ein Stadtindianer

Ausstellung: Klaus Dinger, ein Stadtindianer

Der Musiker war Mitglied von Kraftwerk, gründete Neu! und La Düsseldorf. Seine Lebensgefährtin widmet ihm eine Schau.

Düsseldorf. Klaus Dinger war ein Weltbürger. Den Bezug zu seiner Heimatstadt Düsseldorf verlor er dabei nie. Das zeigt allein der Name seiner letzten Band La Düsseldorf. „Er war zwar kein Lokalpatriot, sich seiner Wurzeln aber stets bewusst“, erklärt Miki Yui. Vor seinem Tod war sie die Lebensgefährtin des Kraftwerk-Drummers, Neu!- und La Düsseldorf-Gründers. Und ist seine Erbverwalterin.

Am 24. März 2008 starb Dinger, vor einer Woche wäre er 66 Jahre alt geworden — in der Oberbilker Galerie Slowboy läuft eine Ausstellung über den Musikpionier, der von Weltstars wie David Bowie, John Frusciante (Red Hot Chili Peppers), Brian Eno oder Herbert Grönemeyer verehrt wird.

„In Japan, Amerika und England ist Klaus sehr bekannt, in Düsseldorf wird er leider unterschätzt“, sagt Yui. Mit der Ausstellung — Titel: „Ihr könnt mich mal am Arsch lecken“ — möchte sie seinem Erbe gerecht werden. Denn: „Klaus war Proto-Punk.“ Der Ausstellungs-Titel ist menschliche und musikalische Standortbestimmung zugleich.

Dinger wollte vor allem eines sein: unabhängig und selbstbestimmt. Besonders in seinem musikalischen Schaffen. So verließ Dinger Kraftwerk bereits nach einem halben Jahr um gemeinsam mit Michael Rother, ebenfalls Kraftwerk-Mitglied, die Band Neu! zu gründen. Auch ihre Wege trennten sich nach drei Alben. Mit Rohter, Labels und seinem Bruder lag Dinger lange im Streit.

Die Ausstellung versucht, den Menschen, nicht nur den Musiker Dinger zu zeigen. Er selbst hat über seinen Lebenslauf „Gesamtkunstwerk“ geschrieben. Dieses Gesamtkunstwerk wird anhand von Fotografien, Postern, Platten und Dokumenten beschrieben. Auf einem Bild ist Dinger in seiner Kindheit als Indianer verkleidet, 1985 veröffentlichte La Düsseldorf ein Album mit dem Titel „Neondian“. Auf dem Cover: Klaus Dinger im Selbstporträt, eine Feder im Haar. Yui: „Klaus war ein Stadtindianer.“

Das Zustandekommen der Ausstellung war reiner Zufall. Im Sommer vergangenen Jahres musste Yui ein Paket vom Zoll abholen, den Beamten erklären, dass der Inhalt — Poster und andere Dinger-Hinterlassenschaften — wertlos sei. Nicht für Andreas Ziegler, der zufällig neben ihr am Schalter stand und großer Neu!-Fan ist. Sie setzten sich zusammen und berieten, wie man Dingers Erbe gerecht werden könnte. Herausgekommen ist eine unaufgeregte Ausstellung. Eine Ausstellung, die einen geradlinigen Menschen zeigt.