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Ausstellung: Inspiriert vom Freigeist Goethe

Ausstellung: Inspiriert vom Freigeist Goethe

Als Ideenquell nutzen die Schmuckdesigner von Düsselgold den Dichter und zeigen ihre Werke im Schloss Jägerhof.

Düsseldorf. Elegant geht es zu, wenn Goethe auf Napoleon trifft. Die letzte Begegnung liegt zwar 200 Jahre zurück, wird aber jetzt im Goethe-Museum gewürdigt — mit einer Ausstellung der Schmuckschaffenden von Düsselgold. Der Zusammenschluss von Designern aus Düsseldorf und Umgebung zeigt zum sechsten Mal seine vom Dichter inspirierten Werke. Das Motto 2012: „Freigeist und Ordnung — Goethe trifft Napoleon.“

Die Ordnungsmacht und das Schöpferische, nur scheinbar treffen Gegensätze aufeinander. „Aus dem Freigeist wird die Ordnung geboren — das eine kann ohne das andere nicht sein“, sagt Michael Vogel, Sprecher von Düsselgold. Das soll auch sein Entwurf ausdrücken, ein grober Silberring, dunkel und archaisch, aus dem vier präzise geschliffene Edelsteine hervorstechen.

Das Goethe-Museum stellt für die Schau nicht nur die Räume zur Verfügung (hier: den Weimar-Saal), sondern ist auch Ideenstifter und Inspirationsquell. Jubiläen, historische Begegnungen und geschichtliche Hintergründe werden den Designern in bester Salon-Tradition vom Personal des Hauses um Direktor Volkmar Hansen vorgestellt. Die Entscheidungen für ein Thema fällt dann die Vollversammlung von Düsselgold — ganz profan — in einer Kneipe.

„Das ist für alle Beteiligten eine Win-win-Situation“, lobt Hansen. Denn so treffe das Museum am Rande des Hofgartens einmal im Jahr mit zeitgenössischer Kunst aus dem Schatten des benachbarten Malkastens zusammen. Auch Vogel schwärmt: „Wir brauchen eine Themenvorgabe. So produzieren wir Sachen, wie sonst nicht.“

Zum Beispiel die Ringe von Birthe Häusgen. Der eine ist ein strenger Würfel mit einer geordneten Oberfläche aus kleinen Quadraten. Ein Muster wie eine Heeresaufstellung. Der andere dagegen, obwohl er die gleiche Oberflächenstruktur aufweist, ist gewalzt und sieht aus wie federleicht um den Finger gewickelt. „Es zeigt: Struktur kann aufgebrochen werden“, sagt Häusgen.

Weniger abstrakt ist die Arbeit von Katharina Schafarschik. Zur Umsetzung des Themas reichen ihr ein Elektrokabel, eine Spirale, etwas Silber und bedrucktes Transparentpapier. Neben der handwerklichen Ausführung, die das Schmuckstück kostbarer aussehen lässt, als es die Summe seiner Bestandteile vermuten lässt, bestechen die inneren Werte der Halskette. Wer die Streifen des Transparentpapieres genauer betrachtet, entdeckt das zerschnittene Faksimile der „Leiden des jungen Werther.“