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Ausstellung in der Akademie-Galerie: Bildhauerei als Gedankenspiel

Ausstellung in der Akademie-Galerie: Bildhauerei als Gedankenspiel

In der Akademie-Galerie am Burgplatz wird das Werk von Erwin Heerich in einer herrlichen Retrospektive präsentiert.

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p class="text"><strong>Düsseldorf. Erwin Heerich und Karl-Heinrich Müller waren ein Herz und eine Seele, sie planten die Museumsinsel Hombroich. Müller lieferte dazu das Geld, Heerich entwarf die 14 Pavillons an der Erft und auf der Raketenstation. Zwölf Häuser waren gebaut, als er vor zwei Jahren starb. Jetzt erinnert eine Retrospektive in den Räumen der Akademie-Galerie am Burgplatz an den großen Bildhauer.

Museumsbauten aus dem Maßwerk-System entwickelt

Heerich begnügte sich nicht mit genialischen Skizzen, die Assistenten in der Wirklichkeit verankern, wie es der postmoderne Baugestalter Frank O. Gehry tut, sondern er entwickelte die plastische Gestalt in wohldurchdachten Schritten aus einem Maßwerk-System heraus. Ein- und Ausstülpungen, Reihungen und Progressionen, Rahmen und Stelen, ein Modell als Vielfaches, all diese Größenordnungen, Verhältnisse und Harmonien in der Form spielten bei ihm eine Rolle. Er schuf keine Reißbrett-Arbeiten, sondern Kunstwerke für alle Sinne. Er begann stets mit einem DIN-A-4-Papier mit Millimeter-Raster. In der Ausstellung kann der Besucher beobachten, wie er die Gestalt in wohlkalkulierten Schritten festhielt, ohne Sprünge, ohne spontanen Zugriff, allein aus geometrischen und organisch-formalen Prinzipien heraus. Die Form entstand aus dem Kreis oder dem Quadrat heraus, aber auch aus der Anschauung, in einer faszinierenden Vielfalt. Die Bleistiftzeichnungen von 2001 für das Lehmbruck-Museum wirken wie die Summe seiner isometrischen (also dreidiemensionalen) Darstellungen, wobei er auch verdeckte Linien durchzog, so dass die Körper durchsichtig und leicht erscheinen. Wenn er einem Quader einen weiteren Quader einschob, wenn er das Grabmal der Familie Schulhoff am Südfriedhof zugleich als Tor-Ansicht und Tor-Durchblick gab, dann vollzog er seine Denkarbeit mit jedem Strich, und wir Betrachter können sie nachvollziehen.

Sogar der Draht einer Glühbirne konnte ihn inspirieren

Man sieht dem begnadeten Lehrer noch einmal über die Schulter, wie er zwei Würfel übereinander schiebt und dabei verdeckt und verrutscht. Man spürt, wie kompliziert es gewesen sein muss, in einen Kubus drei Kanäle zu schieben, die diesen Kasten durchbohren, ohne einander zu berühren. Auf der Museumsinsel Hombroich hat er die Zeichnung in Basaltstein ausgeführt.

Akademie-Galerie Die Einrichtung der Kunstakademie liegt am Burgplatz und ist donnerstags bis sonntags 12 bis 18 Uhr geöffnet. Die Ausstellung läuft bis 11.11.

Erwin Heerich Der Künstler lebte von 1922 bis 2004 und lehrte von 1969 bis 1982 an der Kunstakademie, an der er 1945 bis 1954 bei Ewald Mataré studiert hatte. hm