Ausstellung: Die Stadt als Kunstprojekt

Ausstellung: Die Stadt als Kunstprojekt

Studenten zeigen Videokunst, die sich mit dem Leben in der Stadt beschäftigt — auch in Düsseldorf.

Düsseldorf. Ohne die Videoprojektionen und flimmernden Monitore würde man meinen, im Lager eines Bauunternehmens zu stehen und nicht in einer Ausstellung. Video Site II ist die Neuauflage eines Kunstprojekts an der Fachhochschule. Das Thema lautet: Stadt. Die Aufgabe: Sich von Vorbildern lösen und einen eigenen Standpunkt entwickeln und visualisieren. Die Studierenden der Fachbereiche Video- und Ausstellungsdesign nutzen die Chance und toben sich richtig aus.

Studenten wie Meike Detering haben das Ausstellungsdesign gestaltet und setzen dabei voll auf das Thema Baustelle. Auf den Güterrampen der Filmwerkstatt in Flingern stehen ihre Bänke und Schaukeln aus Kanalrohren, die Objektträger für die Videoinstallationen sind aus Planken und Baustützen grob gezimmert. „Wie in einer Fabrik haben die Studenten hier alles selbst hergestellt“, sagt FH-Professorin Anja Vormann.

Und auch die Videos zeigen alles, nur kein Hochglanzimage der Stadt. „Wir haben schon überlegt, sie auch wirklich an Baustellen in der Stadt zu installieren“, sagt Vormann. Auf jeden Fall soll das Projekt aber als Reihe fortgeführt werden.

Der Videokünstler Erik Schweiger zeigt die Graffiti-Produktion aus den Augen der Sprayer. Hände, Füße, Spraydose und Werk sind sichtbar, sonst nichts. Die Gefühle nacherlebbar zu machen ist sein Ziel — die Graffiti selbst werden zur Nebensache. „Vorher spürt man Adrenalin, Angst, Paranoia, zwischendurch gar nichts und danach Glücksgefühle“, beschreibt ein Szenemitglied, was man in Schweigers Vorführkammer unterm selbstgebauten Stahlhelm mit integrierter 3-D-Brille erleben kann.

Genauso persönlich, nur viel stiller ist das Werk von Stefhany Yepes Lozano. Die Studentin aus Südamerika hat auf einem Stadtplan die Orte eingetragen, die sie mit den Menschen verbindet, die ihr in Düsseldorf am wichtigsten sind. Auf Keramik-Fliesen hat sie dazu deren Gesichter gemalt und eine kurze Geschichte geschrieben. „An diesem Ort habe ich Verena kennen gelernt“ etwa oder „Hier habe ich meinen Freund Emilio zum letzten Mal gesehen“.

Demnächst werden die Fliesen an den jeweiligen Orten angebracht. Thomas Spallek und Merlin Baum haben einen anderen Weg verfolgt. Weil das Geld gerade für den ganz großen Urlaubstrip nicht reicht, sind sie per Google-Street-View nach Rio de Janeiro verreist. „Unser Traumziel“, sagt Spallek. Die dabei entstandene Fotoreportage gehört zu den frechsten und stärksten Stücken der Ausstellung.