Ausstellung: Die Kunst der Reproduktion

Ausstellung: Die Kunst der Reproduktion

„Totentanz Reloaded“ zeigt Stücke aus der Grafiksammlung

Düsseldorf. Was genau ist eine Reproduktion? Kann eine Reproduktion auch ein Original sein? Und wann hört das Zitieren auf und wann fängt das Abmalen an? Mit diesen Fragen beschäftigt sich seit Mittwoch die Ausstellung „Totentanz Reloaded“ im Foyer der Universitäts- und Landesbibliothek. Zu sehen sind unter anderem Hans Holbeins berühmte „Bilder des Todes“ und zahlreiche Nachdrucke und Paraphrasen dieser Holzschnitte. Für Stefanie Knöll vom Institut für Geschichte der Medizin an der Heinrich-Heine-Universität ist die Unterscheidung zwischen Original und Reproduktion gar nicht so trivial: „ Holbein hat mit seinen Holzschnitten natürlich etwas ganz Neues geschaffen. Aber durch die Übersetzung dieser Werke in andere druckgrafische Techniken entstanden auch wiederum neue Originale.“ Künstler wie Heinrich Aldegrever, Wenzel Hollar und Michael Retz wurden von Holbeins Werk inspiriert.

Mit der Ausstellung soll auch diesen „originalen Reproduktionen“ eine größere Anerkennung zuteil werden: „In den vergangenen Jahren wurde die Aura des Authentischen immer stärker geschätzt. Leider wurde dabei oft vergessen, eine Reproduktion als eigenständige Kunst anzuerkennen“, sagt die 36-jährige Kunsthistorikerin.

Hans Holbeins Werk „Icones Mortis“ löste so viele Reproduktionen von anderen Künstlern aus, weil es die bekannten Totentänze revolutionierte. Zum ersten Mal wurde das Thema „Mensch und Tod“ in einer alltäglichen Begegnung dargestellt. Holbein erschuf demnach richtige Szenen, in denen Menschen mit dem Tod konfrontiert waren, und löste sich vom verbreiteten Stil, in dem nur zwei Figuren zu sehen waren: „Die bisherigen Totentänze zeigten bis zu diesem Zeitpunkt nur das Skelett als Tod und eine weitere Figur.“

Aus konservatorischen Gründen und aufgrund von Sicherheitsbedenken ist der „echte“ Holbein für Besucher jedoch nicht zu betrachten. Das knapp 25 000 Euro teure Werk befindet sich zwar in der Grafiksammlung der Heine-Uni — zu sehen ist jedoch nur eine Kopie.

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