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Ausstellung: Das Ende der Verführungen

Ausstellung: Das Ende der Verführungen

Zehn junge Künstler beschäftigen sich im KIT mit den Illusionen und der Wirklichkeit.

Düsseldorf. "Kleine Reparatur der Welt" nennt sich eine Ausstellung im KIT, frei nach einer früheren tschechoslowakischen Science-Fiction-Serie von 1983. Im Film berechnet der Zentralcomputer einen schrecklichen Weltuntergang, dessen Datum jedoch falsch ist, weil der Computer schief steht.

Nachdem ihm ein Hölzchen unterlegt wird, ist die Welt aber wieder in Ordnung. Um solche minimale Differenzen zwischen Katastrophe und schönem Schein, Fiktion und banaler Wirklichkeit, geht es auch in der Kunst.

Adriane Wachholz grüßt den Besucher mit einer gezeichneten, hinter Glas geklebten Fensterlandschaft. Sie zeigt ein tristes Vorstand-Milieu, mit immergrünen Pflanzen und dem Stamm einer Platane. Bei Anbruch der Dunkelheit erwacht die Szene zum Leben. Die Künstlerin wirft Projektionen von innen gegen die Fensterscheiben. Um die gezeichnete Platane windet sich nun eine Tänzerin. Eine Diskokugel rotiert, eine Katze schleicht umher. Beim Nähertreten entdeckt der Passant die Illusion.

Die Spanne zwischen Leben und Tod, Sein und Schein ist minimal. Ulrike Möschel lässt eine Weberknecht-Spinne mit langen Beinen in einer Endlos-Schlaufe über ein Pappdach klettern, beharrlich und vergeblich zugleich. Ein Sinnbild junger Kunst in krisenhafter Zeit.

James Webb lädt auf eine Couch, wo der Besucher auf Knopfdruck die Stimme des Künstlers in Trance hören kann. Das Erwachen fällt dem Besucher nicht schwer, die Couch steht im Eingang. Jakub Nepras lädt gleichfalls zum "Trip" ein. Ein Video, unterlegt von Musik, führt durch eine konstruktivistische Stadtlandschaft, an Riesenrädern, Türmen, surrealen Gesichtern und Leuchtreklame vorbei. Am Ende aber fährt der Zug in einen ganz normalen Bahnhof ein.

Franka Kaßner bietet dem Gast einen Sessel zum Sitzen an. Von dort sieht er auf der gegenüberliegenden Wand ein Video vom "Kleinen Trompeter" und hört das liebliche Propagandalied aus kommunistischer Zeit. Ebenso subversiv ist David Hahlbrocks überdimensionierter Adventskranz aus 800 Strauchveronika. Ein kreisender Roboter ohne Weihnachtsgefühle.

Nur Lukas Schmenger hält sich nicht ans Thema Illusion, sondern konzentriert sich auf sein Ich. Er grundiert kleine Holzplatten mit Hasenleim und Marmorgrund und setzt darauf all seine Selbstporträts. Es sind wunderbare, vielschichtige Gebilde, die sich nicht fassen lassen. Ist etwa das Künstler-Dasein allein schon die Illusion?