Android-Oper „Scary Beauty“ im Robert-Schumann-Saal

Hi, Robot! – Das Mensch Maschine Festival : Android dirigiert Orchester

Im Schumann-Saal ist ein ungewöhnliches Konzert geplant.

Stellen Sie sich vor, Sie gehen in ein „klassisches“ Konzert und vorne am Pult steht kein Mensch, sondern ein Roboter, ein Android – eine Maschine, in Menschengestalt – und leitet das Konzert. Und dann beginnt dieses, von Menschenhand geschaffene, technische Gerät plötzlich sogar zu singen. Science-Fiction? Ja, in gewisser Weise schon, andererseits wiederum auch nicht, denn genau dieses Erlebnis bietet der von Star-Robotiker Hiroshi Ishiguro geschaffene „Dirigent“ „Alter 3“. Dieser wird im Rahmen vom Hi, Robot! Festival gemeinsam mit den Japanischen Philharmonikern Düsseldorf im Robert-Schumann-Saal auftreten. Die deutsche Erstaufführung von „Scary Beauty“ am Mittwoch ist zeitgleich der Auftakt des Festivals.

„Alter 3“ ist ein mit menschenähnlichem Gesicht und Händen ausgestatteter Roboter, der indes keinen verkleideten Körper besitzt und den Blick auf das technisch hoch komplexe Innenleben dieses „Wesens“ offen lässt. Diese Maschine ist mit einer autonomen künstlichen Intelligenz ausgestattet, wenngleich die intellektuellen als auch motorischen Prozesse, die beim Leiten eines Orchesters von Nöten sind, bei Weitem noch nicht vollumfänglich von dieser Maschine übernommen werden können.

Keiichiro Shibuya hat für „Alter 3“, elektronische Klänge und ein Symphonieorchester eine – etwas kitschige – „Android Opera“ geschrieben, die der Roboter selbst „dirigieren“ und singen kann. Sind zwar die Melodien, der Text oder die Anzahl der Takte zuvor in „Alter 3“ einprogrammiert, braucht es aber dennoch Unterstützung für diesen besonderen „Dirigenten“, wenn es um das Tempo, das Schlagen des Taktes geht. Allein die Bewegungen so zu gestalten, dass ein Orchester darauf reagieren kann, ist eine technische Meisterleistung und Alter 3 dirigiert eher durch Heben und Senken seines Körpers. Trotzdem gelingen der Maschine dirigier-ähnliche Handbewegungen, sogar Andeutungen von Mimik und Gestik. Allerdings steckt dahinter immer noch ein von Menschen gemachtes Programm. Doch der Eindruck, die Faszination dieser Verbindung aus einem technischen Gerät und einem menschlichen Orchester, hat durchaus zeitgleich etwas Wunderschönes und Erschreckendes. „Scary Beauty“ so der treffende Name dieses Projektes.

Die Frage, ob Androiden Dirigenten ersetzen könnten oder sollten, ist natürlich eine spielerische; ernsthaft daran denken, dürfte keiner, nicht mal besonders euphorische Robotik-Enthusiasten. Dirigieren ist ein viel zu komplexer und menschlicher Vorgang. Aber zeigen zu können, als Experiment, als „Show“ für die Möglichkeiten heutiger Technik, was Roboter technisch können, wieweit die Imitation des Menschen schon zumindest in bestimmten Rahmenbedingungen möglich ist, ist es allemal ein Faszinosum.

Ein eigenes Bild davon lässt sich am Mittwoch ab 20 Uhr im Robert-Schumann-Saal am Ehrenhof machen.