Düsseldorf: André Kaczmarczyk: Bei ihm treffen sich Geld und Liebe

Düsseldorf: André Kaczmarczyk: Bei ihm treffen sich Geld und Liebe

André Kaczmarczyk ist im Dauereinsatz fürs Schauspielhaus. Zurzeit bringt der 30-Jährige den Musikabend „Heart of Gold“ auf die Bühne.

Düsseldorf. An ihm kommt der Theaterbesucher kaum vorbei. Und wenn doch, hat er was verpasst. André Kaczmarczyk spielt in seiner ersten Saison in sechs Inszenierungen: Als „Der Idiot“ zittern ihm anrührend die Nerven, im „Schiff der Träume“ schraubt er seine Stimme als Operndiva in beeindruckende Höhen, sein Graf vom Strahl durchwatet Kleist’sche Gefühlsuntiefen und als Enkidu war er dem Gilgamesh im Theaterzelt auf der Kö ein feinsinniger Gefährte. Die Proben für weitere Produktionen laufen.

Der aus Thüringen stammende Schauspieler verbringt Tag und Nacht im Central, das Café nebenan nennt er seine Kantine. „Ich habe ein hohes Energieniveau“, kommentiert der 30-Jährige seinen Start am Schauspielhaus und klingt ein bisschen kokett. Als Geschenk an die Zuschauer versteht er den Auftritt des neuen Ensembles unter Leitung des Intendanten Wilfried Schulz. „Wir wollen ein Füllhorn ausgießen und verschiedene Ästhetiken zeigen, die ihr jeweiliges Publikum finden.“ Dafür müsse man buttern, das sei ihm klar gewesen, als er sich für den Wechsel mit Schulz von Dresden nach Düsseldorf entschieden hat. Dass seinem neuen Theater das Haus am Gründgens-Platz fehlt, findet er eine Katastrophe. Dass die Zuschauer trotzdem zahlreich und begeistert kommen, freut ihn umso mehr.

Seine neue Stadt ist Kaczmarczyk noch fremd. „Ich wohne in Flingern. Aber kennengelernt habe ich Düsseldorf bislang nicht.“ Als Ossi bezeichnet er sich, noch nie habe er so weit im Westen gelebt. Er hat Schauspiel in Berlin studiert, am Maxim Gorki Theater in Berlin, in Rostock und Dresden gespielt. „Ich wollte jetzt mal die andere Seite von Deutschland sehen, um so auch etwas über mich zu erfahren.“ Er bemerkt, dass ihm die Umgebung und die Architektur unbekannt sind. „Ich bin im Osten sozialisiert, kenne Plattenbauten und Berlin natürlich. Vieles in dieser Stadt kann ich noch nicht lesen und emotional einordnen.“

„Düsseldorf hat sehr viel Reichtum und zugleich Elend und Armut. Das sehen wir jeden Tag in unserer unmittelbaren Umgebung am Central.“ Dieser Eindruck schlägt sich in seinem Liederabend wieder, den Kaczmarczyk „Heart of Gold“ nennt. Er schmunzelt: „Es gibt sehr viel Geld und es fehlt vielleicht die Liebe.“

In Dresden hatte er mit seinem „Wunschkonzert“, einem eigenen musikalischen Format, einen festen Platz im Spielplan. Ähnliches wünscht er sich für Düsseldorf. Er hat sich durch viele Stücke gehört und ein Programm von Abba bis Whitney Houston, von Herman van Veen bis Brecht und Weill zusammengestellt. „Mit der Musik haben wir was zu erzählen, wo treffen sich Geld und Liebe, wo widerspricht sich das.“

Wenn Schauspieler singen, habe das einen ganz eigenen Charakter, es entstehe eine Spielsituation, beschreibt er die Qualität des Abends. Dass die sängerischen Fähigkeiten dabei von bis reichen würden, passe zum Konzept. „Wenn du singst, zeigst du dich anders.“ Das erlebe er auch bei Kollegen immer wieder. Den Vorwurf, mit Liederabenden versuche man, das Haus voll zu bekommen, kann er nachvollziehen. „Das Theater darf nicht zu einem Unterhaltungsbetrieb verkommen. Aber seitdem ich Wilfried Schulz kenne, halte ich es nicht für despektierlich, Publikum zu generieren.“ Kaczmarczyk lacht: „Dafür geht sogar Bronze Silber und Gold von Wolfgang Petry.“

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