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Kultur Kompakt: Alvermann: Landschaften, denen man nicht traut

Kultur Kompakt : Alvermann: Landschaften, denen man nicht traut

Der Kunstkommissionschef zeigt bei Conzen seine eigenen Bilder.

Jörg-Thomas Alvermann geht in seinem Ehrenamt als Vorsitzender der Kunstkommission fast ganz auf. Er ist ihr Sprecher, organisiert die Treffen mit den Künstlern und sitzt zuweilen auch noch für die Grünen im Kulturausschuss. Außerdem leitet er eine offene Kunstwerkstatt für Schulkinder. Er gilt unter Kollegen wie bei Politikern und Fachleuten als der beste Garant für die zukünftige Qualität der Kunst in Düsseldorf. Dass der Meisterschüler von A.R. Penck selbst Künstler ist, bleibt bei all den öffentlichen Auftritten oft unbemerkt. Nun zeigt er in einer kleinen Malerei-Ausstellung der Galerie Conzen, dass auch er ein malerisches Talent hat.

Das Spiel mit den Leerstellen in der Landschaftsmalerei

Er kennt sich in Ölfarbe wie in Acryl aus, geht mit dem Pinsel wie dem Airbrush auf die Leinwand, spielt mit der Dichtigkeit des Materials. Bekannt und beliebt ist er vor allem durch seine Landschaften und Seestücke, mit dem Rhein als Lichtband, dem Himmel als blaues Band. Als Vorbilder galten Turner und Blechen. Doch in letzter Zeit malt er gleichsam aus der Distanz. Da wird die Farbe aufgetragen, damit sie herunterfließt. Dreht er anschließend die Leinwand um, so entstehen Himmel und Erde.

Früher malte er die Motive mit dem Pinsel. Jetzt geht er spielerischer, aber auch raffinierter vor. Er lässt die Farbe wie bisher fließen, aber  kratzt einige Partien anschließend aus, so dass in den Leerstellen der Eindruck eines Horizontes entsteht. Er nimmt aber auch Silikon, lässt die Farbe darüber rollen und zieht anschließend das Silikon wieder ab. Das Weiß ist nun das Negativ des Bildes, ist eine Leerstelle.

Man sieht bei Conzen zwar farbige Seebilder in einem scheinbar abstrakt expressiven Malprozess, wenn er die Farbe durch zahlreiche, dünnflüssig aufgetragene Schichten verdichtet. Erst durch den 90-Grad-Schlenker der Leinwand entsteht der Eindruck einer Landschaft. Das Motiv erscheint nun wie ein Bild, dem man nicht traut. Das Abkratzen, Abziehen und Wegnehmen wirkt, als wolle der Maler der Landschaft entfliehen, diesem seit Jahrhunderten bekannten Motiv.

Leise und verträumt sind Alvermanns Aquarelle. Hier werden die Farben flüssig und sehr transparent aufgetragen. Indem er aber auch hier mit dem Silikon-Streifen arbeitet, den er wegnimmt und dadurch Leerstellen erzeugt, entsteht eine eher lyrische Atmosphäre. Es ist, als gehe es um einsame Orte, in denen sich kein Mensch aufhalten kann. Vielleicht ist dies die Sehnsucht eines Künstlers, der sich vor lauter Organisationsaufgaben einfach nach ein bisschen Ruhe sehnt.

Galerie Conzen, Benrather Straße 8. Werktags täglich geöffnet. Bis 11. Mai.