Alters-Romanze „Oh, diese Eltern“ in der Düsseldorfer Komödie

Rezension : „Oh, diese Eltern“: Etwas müde geratene Alters-Romanze in der Komödie

Das Düsseldorfer Haus greift das Stück nach spanischer Vorlage auf. Die Inszenierung hat jedoch Schwächen.

Im andalusischen Frühling wittert die verwitwete Dolores Morgenluft. Ausgerechnet im Wartezimmer ihres Hausarztes begegnet sie zwar nicht ihrem Traumprinzen, aber doch dem Witwer Fernando, der sie begeistert und ihr Leben umkrempelt. Die alten Schachteln vergessen ihre zahlreichen Wehwehchen, kommen sich näher, verlieben sich und fassen den Entschluss, ihr Vermögen auf den Kopf zu hauen. Ganz zum Leidwesen der jeweiligen Kinder Manuela und Ricardo, die nur noch seufzen „Oh, diese Eltern“. So auch der Titel eines Schwanks des spanischen Erfolgs-Dramatikers Alfonso Pas (1926 -1978), der jetzt in der Komödie Premiere feierte.

Zäh und mühselig starten die Szenen über den dritten Frühling im kargen Wartezimmer, wo die betagte Dolores ihrer Tochter lautstark ihr Leid klagt. Erst als Fernando in Begleitung des fürsorglichen Sohns Ricardo auftaucht, verfliegen Schmerzen, Frust, Senioren-Gebrechen und Langeweile. Die beiden mutieren von nervensägenden Hypochondern zu Jung-Verliebten, die nach allen Regeln der Kunst flirten. Aufgesetzt wirkt das, obwohl Andrea Spatzek (Dolores, alias Gabi Zenker aus der „Lindenstraße“) das Porträt einer aufgekratzten, herrischen und zunächst bigotten Dame mit dunkler Sonnebrille zeichnet. Peter Millowitsch (Fernando) indes wirkt spröde, reagiert brav, nimmt aber kaum das Heft in die Hand. Regisseur Christof Düro nimmt das Sujet Liebe im Alter leider zu ernst, vertraut nicht auf schräge Figuren, sondern auf Staatstheater-Stille, die dieser Typenkomödie nicht bekommt.

In Schwung kommt das Senioren-Duo erst in Fernandos verkitschter Wohnung: Sie kippen Champagner in sich hinein, sie reißen sich los von alten Familien-Fesseln, singen, tanzen und feiern. Dumm aus der Wäsche schauen die potentiellen Erben. Manuela (Leandra Fili) und Ricardo (Fabian Goedecke) wollen das alte Glück verhindern, erreichen aber das Gegenteil – und, man ahnt es schon, kommen sich ebenfalls näher. Gruppen-Foto zu Viert, Doppelhochzeit nicht ausgeschlossen. Braucht man dafür 120 Minuten? Eine flotte Stunde hätte gereicht. Da wären dann die Fetzen geflogen. Bis 17. Mai. Telefon: 133707

Mehr von Westdeutsche Zeitung