Düsseldorf: Alligatoah: Rapper mit Zirkusflair

Düsseldorf : Alligatoah: Rapper mit Zirkusflair

Vor vollem Haus spielte der Rapper an der Siegburger Straße.

Düsseldorf. Der dicke und dunkelrote Vorhang erinnert an einen Zirkus. Als er sich öffnet, beginnt das bunte Treiben der Manege: Der Rapper Alligatoah hat zum Himmelfahrtskommando in die Halle an der Siegburger Straße eingeladen. Er selbst steht als römischer Legionär mit goldener Rüstung auf einem Streitwagen weit oben auf der Bühne. Gezogen wird der Wagen von vier Engeln mit großen Flügeln — den Musikern seiner Band.

Wie das Bühnenbild erahnen lässt, wird hier alles nicht so ernst genommen. Zwischen jedem Lied folgen Monologe und Unterhaltungen mit BeraterBoi Basti, dem Backup-Rapper. Der ist in ein römisches Gewand gekleidet und wird wie ein Clown durch die Manege getrieben. Alligatoahs Texte sind ebenfalls voller Ironie und Sarkasmus. Sein viertes Album „Musik ist keine Lösung“ erschien Ende des vergangenen Jahres. Mit viel Witz arbeitet er darin gesellschaftliche und politische Themen auf.

Dabei scheut er nicht vor kontroversen Themen. In seinem Song „Denk an die Kinder“ parodiert er die Doppelmoral von Charity-Songs. „Du bist schön, aber dafür kannst du nichts“, heißt es in einem anderen Lied, in dem er sich über den gesellschaftlichen Schönheitswahn lustig macht. „Ihr seid zu spät! Die Tour war im Frühjahr!“, ruft Alligatoah seinem Publikum zu. Da die sehr gut besucht war, begibt sich die Band erneut auf die Reise, um mit den „Nachzüglern“ über die Wolken zu fahren. Das nicht ohne Grund.

„Wir werden heute Abend unseren Schöpfer finden!“, ruft er in die Menge. Am Samstag nimmt er ein sehr textsicheres Publikum mit auf die Suche. Zwei Stunden liefert der Rapper eine überzeugende Show ab. Die Grenzen zwischen Konzert und Zirkus vermischen sich: Nicht nur die Musik ist wichtig, den begeisterten Fans wird eine komplette Inszenierung präsentiert. Und auch beim Bühnenbild werden keine Mühen gescheut. Dem Streitwagen weicht eine goldene Kuh, die Schöpferin ist gefunden.

Ein drittes Mal schließt der Vorhang, um erneut die Manege umzubauen. Für die letzten zwei Lieder wird die komplette Bühne in den Zustand der Himmelfahrtskommando-Show Anfang des Jahres zurückversetzt.

Die Lieder haben es in sich. Ein riesiger bunter Ballon wurde aufgebaut, in dessen Korb der Rapper sitzt. Mit dem Zylinder auf seinem Kopf sieht Alligatoah nun auch wirklich aus wie ein Zirkusdirektor. Es folgt das mit Abstand bekannteste Lied: „Willst du mit mir Drogen nehmen“, was nun auch den letzten bis dato Sitzenden zum Springen zu bringen scheint. Unübersehbar ist das große Augenzwinkern, mit dem das Gesamtkunstwerk Alligatoah bewusst die Grenzen der Rapmusik überschreitet.

Natürlich ruft er nicht ernsthaft zum Drogennehmen auf. Die Musiker sind neben ihrer musikalisch überzeugenden Rolle immer wieder Teil der Show. Alligatoah, der Legionär, macht sich über sie lustig. Er spielt den großen Meister souverän, der erst nach einer halben Stunde von seinem Streitwagen herunter steigt. Immer wieder klettert er auf das Podest inmitten der Bühne. Seine gespielte Arroganz und Hochnäsigkeit macht auch vor dem Publikum keinen Halt: Das führt zu vielen Lachern zwischen den Songs — und passt zu seinen Texten.

Mehr von Westdeutsche Zeitung