Kultur nonstop: 23.000 Besucher bei der Museumsnacht

Kultur nonstop: 23.000 Besucher bei der Museumsnacht

Die Gäste bevölkerten die Museen und Off-Räume bis weit nach Mitternacht. Unter ihnen waren auch viele junge Leute.

Schon vor dem offiziellen Start der Museumsnacht um 19 Uhr bildete sich am Samstag eine beachtliche Besucherschlange vor dem Kunstpalast. Viele wollten die „alchemistischen“ Kreationen bei Zuckerbäcker Georg Maushagen kosten. Im Foyer zauberte der Meister seelenruhig aus Gelierflüssigkeit, einer „algenhaltigen Lösung“ und einer Spritze Johannisbeersaft Köstlichkeiten, von denen die Feinschmecker behaupteten, sie hätten einen Goldgeschmack. „Dafür lohnt sich das Warten“, meinte etwa Inge Müller, die eigens aus Wuppertal angereist war.

Foto: Sergej Lepke

Einen Ausfall gab es derweil im Goethe-Museum: Der preisgekrönte Autor Martin Baltscheit lag mit Migräne im Bett und ließ sich von Michael Serrer vertreten.

Foto: Sergej Lepke

Gedränge gab es auch im BBK-Kunstforum bei Sprayer Thomas Baumgärtel, der vier Bananen an die Wände sprühte. Die Besucher konnten zugleich Arbeiten von Werkstattleitern der Akademie bewundern. Dabei erntete Bernhard Kucken aus der Gipswerkstatt Beifall für eine musizierende Figur in Gips mit Blattsilber. „Ich lief im Traum durch die Tonhalle und begegnete einem Musikinstrument mit menschlichen Zügen“, erklärte er seine wundersame Gestalt. „Toll, wenn jemand so einen Traum hat und ihn auch noch so schön umsetzt“, lobte ein Besucher.

Viel junges Volk machte sich diesmal auf den Weg. „Das Düsseldorfer Publikum wird immer jünger“, meinte VHS-Direktor Martin Menges. Es waren diesmal nicht die späten Altstadtgäste, sondern zumeist die Stammgäste, Freunde und Bekannte, die mit einer Liste von Programmpunkten in der Tasche unterwegs waren.

„Ich freue mich, dass ich die Kultur sechs Stunden lang nonstop genießen kann“, sagte die Krefelderin Sibylle Winter. Neben ihr stand Wolfgang Puky Martin und suchte Anregungen für seinen nächsten Opernball in Oberkassel.

Derweil überreichte Michael Matzigkeit im Theatermuseum dem jungen Chinesen Jing Luo den Totenschädel des Hofnarren Yorick aus dem „Hamlet“ und fotografierte ihn im Theaterkostüm. Jing Luo hatte in einem Lehrbuch von einem „Herrn Shakespeare“ gelesen und war ihm nun auf der Spur: „Ich finde diese Person typisch englisch. Ich mag inzwischen diesen Autor sehr“, sagte er in druckreifem Deutsch, das er als Student der Wirtschaftswissenschaften an der Bergischen Universität Wuppertal gelernt hat.

Nervös lief währenddessen Alexandra Polonskaja vor dem Schmalenbach-Saal im K 20 hin und her. Die Absolventin der Kunstakademie gehörte zu den 32 Künstlern, die ihre Arbeiten für die Auktion von Ernst & Young eingereicht hatten und nun hofften, dass sich ein Käufer findet. Sie konnte aufatmen. Der Zuschlag für ihre Hände in Gips und Acryl lag bei 1400 Euro. Die Hälfte dieser Summe geht an sie. Insgesamt brachte der Erlös der Auktion die stolze Summe von 47 000 Euro.

Die Kunst im K 20 ist gar einige Millionen wert, weshalb die kostbare Bilderschau immer wieder geschlossen werden musste, weil mehr als die zulässigen 1200 Gäste auf einmal drin waren. Zu viel Atem von Besuchern würde der Kunst schaden, hieß es.

Gedränge und Geschiebe auch im Haus der Architekten beim beliebten Schauspieler Joachim Król. Der präsentierte sich den Zuhörern als „Träumer“: „Ich stehe manchmal nachts auf und meine, es ist vieles von meinen Wünschen in Erfüllung gegangen. Ich wollte schon immer Schauspieler werden.“ Dann gab es noch eine Breitseite gegen die Landeshauptstadt: Er sei Wahlkölner, lebe seit 30 Jahren in der Südstadt. Düsseldorf werde da nie erwähnt.

Außer Kunst sorgten zahlreiche Musiker für gute Stimmung. DJ Shantel lockte ins NRW-Forum, die „Roomers“ rockten den Kuppelsaal von Schloss Benrath, Streicher des Incantro Quartetto verzauberten im Filmmuseum die Zuhörer und im Maxhaus verbreitete Judy Baley eine gute Atmosphäre mit afrikanischen Karibik-Grooves.

Selbst im entfernten Oberkassel gab es Zulauf. 408 Neugierige wurden in der Auferstehungskirche gezählt. In der Julia Stoschek Collection lauschten weit nach Mitternacht Hunderte von Künstlern und Kunstkennern den Sounds von Andreas Korte und Cornelius Quabeck.

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