Künstler fordern ein Fotozentrum

Künstler fordern ein Fotozentrum

Stadt soll endlich konkrete Schritte unternehmen. Ein Symposion im Malkasten verspricht spannend zu werden.

Normalerweise wird bei Diskussionsveranstaltungen um den heißen Brei herum geredet. Am Samstag, 17. Februar, geht es jedoch ab 14 Uhr im Malkasten zur Sache. Einladende sind der Vorstand der Kulturpolitischen Gesellschaft unter Hagen Lippe-Weißenfeld, die Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU unter Norbert Hüsson sowie der Künstlerverein. Ziel ist es, der Stadt den Marsch zu blasen und endlich ein Zentrum der Fotografie in die Wege zu leiten.

Seit Jahren gibt es immer wieder Willensbekundungen. „Das Thema ist für mich ganz wichtig“, erklärt Kulturdezernent Hans-Georg Lohe im WZ-Gespräch. Er habe erst kürzlich mit der Galeristin Monika Sprüth Kontakt gehabt und in den letzten Tagen mit Andreas Gursky gesprochen. Doch dann kommen beschwichtigende, unkonkrete Sätze: „Ich sehe, dass da dringender Handlungsbedarf besteht. Ein Fotozentrum ist absolut notwendig, es ist ganz wichtig für Düsseldorf. Fotografie ist eine der wichtigen Positionen, womit sich die Stadt nach außen hin präsentieren kann. Fotografie hat für mich absolut höchste Priorität.“

Norbert Hüsson wird klarer. Die Begründer der Düsseldorfer Fotoschule, Bernd und Hilla Becher, hätten einen Nachlass von Weltrang hinterlassen, der jedoch großenteils in den Besitz der SK-Stiftung Köln gewechselt sei. „Weitere Künstler erhalten verlockende Angebote anderer Städte und Institutionen aus dem In- und Ausland, um deren Kunstschätze zu zeigen und wissenschaftlich zu bearbeiten“, sagt er. Ein weiteres Abwandern hochkarätiger Fotoschätze müsse jedoch verhindert werden. Dies gelinge nur, indem man den Künstlern eine konkrete Perspektive für ihre Nachlässe und Archive gibt.

Nun ist der Gedanke eines Fotozentrums für Düsseldorf nicht neu. Thomas Weski vom Berliner Zentrum für Fotografie und Medienkunst, einer der besten Kenner der Düsseldorfer Fotoszene, hatte schon 2013 zusammen mit dem damaligen Museumschef Beat Wismer ein detailliertes Konzept für ein solches Zentrum entwickelt. Weski schwebte ein internationales Archiv vor, das forscht und das seine Ergebnisse zeigt. Das Institut solle, so Weski zur WZ, die Archive von Fotografen aus Düsseldorf und NRW aufnehmen. Es solle „archivalisch, konservatorisch und kuratorisch arbeiten“, und zwar zugleich mit anderen Museen. Als Vorbild des Zentrums war das Getty Research Institute in Los Angeles angedacht.

Das Konzept wurde mit einigen Künstlern wie Gursky, Ruff, Hütte und Höfer durchgesprochen. Aber es scheiterte, weil man das Institut im NRW-Forum als Institut des Museums Kunstpalast ansiedeln wollte. Das NRW-Forum stand nach dem Weggang von Werner Lippert zur Disposition. Die Politik wie die Besucher plädierten jedoch für einen Fortbestand des NRW-Forums. So wurde das Konzept noch nicht einmal öffentlich diskutiert, sondern verschwand in den Schubladen.

Das wiederum wundert Lippe-Weißenfeld, der in Kaiserswerth wohnt und engen Kontakt zu Max Becher hat, dem Sohn der Bechers. Becher junior sagte schon vor einem Jahr im WZ-Gespräch, er wolle Arbeiten spenden und hoffe, dass andere Fotografen seinem Beispiel folgen. Beat Wismer, ein Freund der Düsseldorfer Künstler, setzte zugleich durch, dass sein Nachfolger Felix Krämer frühestens 2020 die erste Retrospektive der Bechers nach ihrem Tod durchführt.

Die Fotokünstler werden im Zuschauerraum sitzen. Drei Künstler machen die Ausnahme, sie gehen aufs Podium. Es sind Katharina Sieverding, der Becher-Schüler Laurenz Berges und die Gursky-Schülerin Anna Vogel. Sie vertreten die drei Generationen der Düsseldorfer Fotoschule. Vielleicht wagt sich ja aus diesem Anlass Kulturdezernent Hans-Georg Lohe aus der Reserve und verkündet, welche Schritte er bislang eingeleitet hat, um das Projekt zum Erfolg zu bringen, als Stiftung, als Fotomuseum oder als Foto-Forschungszentrum.